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Hinter dem Alias Hugdebert steht der französische Zeichner Guillaume Berteloot. Oder doch nicht? Henri Filippini schreibt in seiner Enzyklopädie der erotischen Comicliteratur (2006) Guillaume Berthelot. Und Filippini ist eine der wenigen "zuverlässigen" Quellen was Eroticcomic-Zeichner betrifft. Doch seine Bücher sind nicht frei von Fehlern.

Hugdebert selbst "unterzeichnet" jedenfalls seine nichterotischen französischen Comicprojekte mit "Berteloot". Keine Quelle außer die von Filippini und wenige unzuverlässige aus dem Internet beharren auf Berthelot. In einem seltenen Interview geführt von Bernard Joubert nennt Hugdebert nur Berteloot (Dank an philcap/ECC).

Wer jetzt recht hat, wird wohl nur die Zukunft weisen. Vielleicht steckt hinter dem "Rätsel" der unterschiedlichen Schreibweise nur eine "Inkorrektheit" der Verleger. Gerade "nicht-französische" Comicverlage schreiben gerne den Namen der Zeichner "etwas anders".

Wie auch immer. Zurück zu Hugdebert und seinem Schaffenswerk.

Der französische Künstler wurde 1964 geboren und begann im zarten Alter von 14 Jahren mit dem Comiczeichnen. Zwei Jahre bereitete er sich für die Aufnahme an einer Kunstschule (Academie des Beaux-Arts) vor, die ihn jedoch abgelehnte. Nicht aufgebend, machte er den Umweg über diverse Aktzeichnen-Abendkurse in Paris.

Hugdebert debütierte 1986 als Comiczeichner mit einer Geschichte von "Guy de Maupassant" für Édition Termeye. Die Romane und Bühnenstücke des Franzosen Maupassant waren für einige Alben von Hugdebert Inspiration - wie zum Beispiel: La Maison Tellier oder Bel-Ami. 1988 erschien im französischen "Bédé Adult" Magazin eine seiner ersten beachteten, erotischen Arbeiten unter dem Titel "Voyages-voyages". Ein Jahr später folgt eine Fortsetzung der Geschichte.

In diesen Geschichten spiegelt sich Hugdeberts Leidenschaft wieder: die Eisenbahn. Wie er genau dazu gekommen ist, kann Hugdebert selbst nicht genau erklären. Doch ob nun "Liebe (machen) im Zug" oder "die Liebe (Faszination) an Zügen und der Eisenbahn" - beides findet Hugdebert aufregend als Thema seiner Geschichten.

Im Laufe der Jahre sind etliche Titel in den Magazinen "Bédé Adult" und "Bédé X" "vor"-veröffentlicht worden (um später als gebundenes Album bei diversen Verlagen zu erscheinen): "Les Volupés de l´Orient Express", "Le Secret de Tante Pauline", "Tante Pauline", "Irina", Lisa la Blanche", Le train des plaisirs", "Plaisir et contrebande", Lolotte et Adelie", und einige mehr.

Zur Erklärung: in den Magazinen "Bédé Adult" und "Bédé X" wurden Comicalben vorveröffentlicht. Ähnliches geschieht in Spanien durch das "Kiss Comix" Magazin, oder in den USA durch den Ableger "French Kiss" oder "Sizzle". Alle Magazine haben eines gemeinsam. Sie wollen Werbung für das gebundene Album bzw. das Verlagsprogramm machen. So "wirbt" das US-Magazin "Sizzle" für die Alben-Reihen des "NBM Verlags" (Christian Zanier, Baldazzini, Taylor, Belore, Manning, usw.). Meist geschieht der Abdruck im kostengünstigen schwarz/weiß-Druck.

Neben den von Hugdebert selbstgeschriebenen Erotikcomic, übertrug er auch bekannte erotische Literatur in das Comicformat; so zum Beispiel "Un amour de Swann" oder "La Maison Tellier", sowie "Kama-Sutra".

Als wäre dem nicht genug, findet der Zeichner und Autor gefallen an historischen Abenteuern, wie in "Les Fleaux d´Attila" oder "Les Vikings".

Hugdebert legt viel Wert auf die Ausstattung und Dekorationen seiner Geschichten. Je nachdem in welcher Zeitperiode der Comic spielt; immer hat man das Gefühl, das Kleidung, Frisuren, Möbel, Gegenstände, Personen und Charaktere genau recherchiert wurden. Mit viel Liebe zum Detail fängt Hugdebert den Flair einer Epoche ein. Wenn man diverse Alben "als Beweismittel" zur Hand nimmt, scheint der Autor eine Vorliebe für zeitgenössische und neuerdings altertümliche Geschichte zu haben. Ebenso charakteristisch: sein immer wieder vorkommendes Motiv der Reise. Insbesondere die Reisen mit der Eisenbahn sind in Hugdeberts Comicalben - vor allem in seinen Anfangsjahren - ein beliebtes Thema.

Waren die ersten Arbeiten (zum Beispiel: "Voyages-voyages" oder "Les Amants Diaboliques") noch "geprägt" von anatomischen "Unstimmigkeiten" und zeichnerischen Mängeln, so erlebt man in den neueren Arbeiten (ab 2000) eine deutliche Entwicklung seiner Fähigkeiten. Was in den Anfängen noch kantig und grob wirkte, ist mittlerweile stilsicher und präzise. Sein Stil mag manchem zu brav oder bieder sein, orientiert sich Hugdebert doch eher an den großen Altmeistern wie Levis, Frollo oder Pichard. Inhaltlich kann der Künstler mit detailreichen und interessanten Geschichten, sowie abwechslungsreichen und unterhaltsamen Sexeinlagen glänzen. In vielen Alben ist Hugdebert sogar "sexlastiger" als oben erwähnte Kollegen.

Sein aktueller Zeichenstil entspricht den heutigen Sehgewohnheiten und Albenveröffentlichungen für Abenteuer- oder Geschichtscomics im franco-belgischen Stil. Kolorierung, wenn sie stattfindet, wird dezent und traditionell mit Aquarellfarben ausgeführt.

Hugdebert bleibt dem geneigten Leser nichts schuldig. So finden sich vielerlei Spielarten des Sexus in seinen Inszenierungen: abwechslungsreiche Stellungskämpfe, S&M-Elemente, Oralsex, Analspiele, lesbische Begegnungen, exotische Ausflüge in ferne Länder oder verruchte Bordelle.

Dabei blendet Hugdebert nicht verschämt ab, sondern zeigt seine Akteure "in aller Deutlichkeit". Trotzdem haftet an seinen Bildern nichts schmutziges. Sie bleiben im Rahmen und den Sitten seiner Zeit in der die Geschichten spielen. Hugdeberts Frauen-Charaktere bleiben "Ladies" und "Damen", wohlgleich sie "Sklavin", "Geliebte" oder "Hure" sind.

Dieses "Denken" verbindet Hugdebert mit anderen Altmeistern des erotischen Comicgenre. Er "verehrt die Frauen" und "erniedrigt sie nicht".

französische (wenn nicht anders angegeben) Veröffentlichungen Hugdebert (Auswahl):
- Les Amants diaboliques (1986)
- Voyages-voyages 1 (1987)
- Les Reines Rouges (1988)
- Dévergondages à l'est (l'amour derrière le rideau de fer) (1989)
- Les voluptés de l'Orient Express (Verlag CAP 1989)
- Les fleaux d'Attila (1989)
- Kama-sûtra (1991)
- Le Secret de tante Pauline 1 (Verlag CAP 1992/1995)
Tante Paulines Geheimnis (I.M.P. 1999/2001)
- Voyages-voyages 2 (1992)
- (Wiederveröffentlichung Voyages-voyages 1) Train de nuit 1 (1993)
- (Wiederveröffentlichung Voyages-voyages 2) Train de nuit 2 (1993)
- Les Fleurs du mâle (1993)
- La Bête humaine (Verlag Magic Strip 1993)
(Bestie in Menschengestalt (Verlag Bich Trading 1994))
- Bel-Ami (1994)
- Irina (1994)
- La Maison Tellier (1995)
- Un Amour de Swann (1995) (deutsche Fassung I.M.P. 2004)
- Le Secret de tante Pauline 2 (1995)
- La fille des steppes (1996) (deutsche Fassung I.M.P. 2000)
- L'Akrynos (1997)
- Lisa la Blanche (1998)
- Mon Amant (1998)
- Paule et Agnes (2000)
- Les Compagnes du Tigre (2001)
- Les Vénus (2001)
- Train du plaisir (2002)
- Plaisirs de Contrebande (2003)
- Les Vikings 1 (2003)
- 4 filles et leur mère (2004)
- Les Vikings 2 (2004)

Etliche Comicalben sind auch in englischer und deutscher Übersetzung erschienen. Um an Hugdebert Alben heranzukommen, muss man den Weg über Comictauschbörsen oder -fachhändler (Laden/Internet), bzw. ebay gehen.

Veröffentlichungen als Guillaume Berteloot (Auswahl):
- Les Seigneurs du rail Band 1 La suie et la douleur (fr. Verlag Glénat 1992)
- Sommet en vue (fr. Verlag ZEISS 2000)
- Un jour, une fleur – La contraception, aujourd’hui (fr. Verlag Schering S.A. 2006). Ein "Aids-Aufklärungsalbum"

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