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Philippe Cavell wurde 1948 in Frankreich geboren und ist von Beruf ein erfolgreicher Architekt. Mit Anfang 30 hat er - als "Spätberufener" - begonnen in seiner Freizeit erotische Illustrationen und Comic zu zeichnen. Von den wenigen Alben die er gezeichnet hat, die allesamt bei der Èdition Dominique Leroy in Frankreich herausgegeben wurde, ragen zwei Bände besonders hervor. Der wunderschöne Großband Juliette de Sade aus dem Jahr 1979, sowie das 1983 erschienene Album Fanny Hill. Der 1970 gegründete Verlag "Èdition Dominique Leroy" hat sich auf die "Literatur Erotika" spezialisiert und dabei den erotischen Comic einen gewichtigen Stellenwert eingeräumt. Neben Philippe Cavell sind auch so bekannte Namen wie Georges Pichard, G. Lévis, Leone Frollo, Eric Stanton und Bill Ward in dessen Verlagsprogramm. Mittlerweile werden etliche Bücher und Comicbände auch als eBook angeboten (siehe Link am Ende des Textes). Jahre zuvor verdiente sich Philippe Cavell im Fanzine "Miroir du Fantastique" seine ersten Sporen - damals noch unter seinem richtigen Familiennamen Hirou (als Jacques Hirou) -, das ihm jedoch nicht erlaubte seine (auch extremen) erotischen Fantasien künstlerisch zu verarbeiten. Der Wechsel zum Verlag Dominique Leroy ermöglichte ihm diese Freiheiten. Es entstand für das Dominique Leroy Verlagslabel "Collection Vertiges Passions" der Band Nini Tapioca. Hierbei handelt es sich jedoch um keinen Comic, sondern Cavell illustrierte mit zahlreichen schwarz/weiß-Bildern eine zweisprachige (englisch und französisch), erotische Geschichte von Béatrice Tessica. "Nini Tapioca", sowie das 1979 veröffentlichte Transes mécaniques (ein Comicalbum mit erotischen Kurzgeschichten), zeigt bereits Cavells "typisches" Charakterdesign; die in einem präzisen, mal zarten, mal kraftvollen Tuschestrich gestalteten Charaktere. Cavells auffälligstes Werk ist sicherlich das "rote Album" Juliette de Sade; erschienen 1979. Zusammen mit dem bekannten Autor und Filmemacher Francis Leroi wagte sich Cavell an eine Umsetzung dieses berühmten Stoffes von Marquis de Sade. Justine ist in de Sades mehrfach erweiterten Mammutwerkes die symbolistierte Tugendhaftigkeit, die tragisch endet und für ihre Moral letztendlich bestraft wird. Justines Schwester Juliette hingegen geht den sündhaften und unmoralischen, aber für sie erfolgreichen Weg; wird zur Hure und Mörderin und findet dadurch zu Reichtum und Glück. Diese Adaption ist neben der Version von Guido Crepax, die im gleichen Jahr erschien, die "wohl bekannteste". Crepax war mit seinem Band "Justine" jedoch wesentlich genauer am Originaltext und schildert das Schicksal der Schwestern Justine und Juliette gleichermaßen. Cavell und Leroi richteten ihr Augenmerk auf Juliette und legten die Grundgeschichte wesentlich freier aus. Ihre Interpretation des Stoffes überträgt de Sades Gedanken in teilweise grausamen und äußerst expliziten Bildern, die an einigen Stellen sogar im Blutrausch münden. Bei Dominique Leroy kann man das Album als eBook in einer erweiterten Fassung erwerben, die zusätzliche Seiten enthält. Für den 1983 veröffentlichten thematischen Nachfolger von Juliette de Sade L'Ermite de l'Apennin, sowie den bereits erwähnte Band Jessica Ligari, wechselte Cavell jedoch seinen Zeichenstil. Eine fein aufgetragene und handwerklich solide Buntstift-Technik löste den kraftvollen schwarzweißen Tuschestrich ab. Cavells grundliegender Stil - das heißt, wie er seine Figuren, seine Gesichter zeichnet - blieb zwar unverändert, verliert jedoch durch den Wechsel der Technik erheblich von seiner markenten früheren Ausdruckskraft. Inhaltlich erzählt der zweite Teil die Erlebnisse von Juliette weiter. Den Höhepunkt bildet die Begegnung mit dem monströsen Eremiten Minski in den Apenninen. Wer den ersten Band für seine explizite und schonungslose Art schätzte, wurde durch den farbigen, surrealistisch wirkenden zweiten Teil größtenteils enttäuscht. Bemerkeswert ist Cavells Engagement, seinen Zeichenstil immer wieder zu variieren. Das ebenfalls 1983 veröffentlichte Werk Fanny Hill wurde in "traditioneller Comictechnik" getuscht und später mit Aquarellfarben koloriert. Diese Technik verwendete Cavell ebenfalls für sein letztes Album, das 1984 veröffentlichte Werk L´effet Magnousse. Cavell orientierte sich in diesen beiden Alben am franco-belgischen Comicstil. Waren die früheren Alben sehr großzügig und offen angelegt - zum Beispiel mit ganzseitigen Bildszenen -, begegnet man in Fanny Hill einem stringenten Layoutsystem mit meist zehn oder mehr Einzelbildern pro Seite. Leider ist das unverwechselbare Design seiner weiblichen Figuren, mit ihren feinen und "puppenhaften" Gesichtszügen in den durchweg kleinen Bildern nur noch zu erahnen. Die "Rückbesinnung" Cavells auf diesen eher "klassischen Zeichenstil" - der seinem (Charakter-)Design wesentlich besser entgegen kommt -, sowie die autorische Führung von J.M. Lo Duca, wirkt sich vorteilhaft auf diese Adaption des Fanny Hill-Stoffes von John Cleland aus. Das sich Cavell aus dem erotischen Comicbusiness zurückgezogen hat, ist äußerst bedauerlich und hätte wohl das richtige Engagement eines mutigen Verlegers bedurft, diesen äußerst begabten Künstler am Zeichenbrett zu halten. Für das 1982 bei Edition Dominique Leroy veröffentlichte Manual des Confesseurs et Krafft-Ebing en Bandes Dessinées von J.M. Lo Duca steuerte Cavell das Titelbild und einige Beispiel-Illustrationen bei. Veröffentlichungen: Links: |
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