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Leslie Téjlor

Anlässlich eines Interview - geführt im April 2022 - gab der ungarische Comiczeichner, Cartoonist, Autor und Illustrator Leslie Téjlor informative Einblicke in seinen künstlerischen Werdegang, seine Zeichentechniken und seine vielseitigen Projekte.


> Was kannst du über dich persönlich verraten? Ist Leslie Téjlor ein Pseudonym?

Hallo an die Leser und vielen Dank für die Fragen. Ich wurde 1973 in Ungarn geboren, in einem kleinen Dorf (heute ist es eine Stadt) namens Tiszalök, und nach den örtlichen Traditionen wurde ich nach meinem Vater, Szabó László, benannt. In Ungarn stehen die Familiennamen vor den Vornamen. Mein Familienname heißt auf Englisch Taylor, und László ist Leslie. Ich zeichne schon seit meiner Kindheit, aber als ich anfing, Krimis zu schreiben, bat mein Verleger um ein Pseudonym, unter dem er die Geschichten veröffentlichen wollte, weil sich ausländische Autoren damals besser verkauften (etwa um das Jahr 1992). So begann ich, die englische Version meines ungarischen Namens zu verwenden. Später, als ich anfing, Karikaturen zu zeichnen, brauchte ich einen guten Namen (da Szabó László in unserem Land ein sehr gebräuchlicher Name ist), also begann ich, eine etwas lustige/phonetische Version Téjlor zu verwenden, die auch ein wenig französisch klingt. Diese Version blieb auch bei den Comics erhalten, da sie für Menschen anderer Nationalitäten leichter auszusprechen ist.


> Der internationale Durchbruch deiner Comic-Karriere fand in den frühen 2000er Jahren statt. Kannst du uns ein wenig über diese Anfänge erzählen?


Zu dieser Zeit begann ich, mich für das Internet zu interessieren, das immer beliebter wurde. Eines Tages bemerkte ich, dass die Website Virtualgirl nach Illustratoren für Kurzgeschichten suchte. Ich schickte ihnen einige meiner Arbeiten, und sie mochten sowohl meine Zeichnungen als auch meine Geschichten. Danach begann ich, für einige andere Seiten zu zeichnen. 2004 stieß ich auf die Seite der Serie Zwarte Reeks des beliebten Verlags Sombrero, für den damals viele international bekannte Illustratoren (Götha, Manara, Duvet, Crepax) gearbeitet haben.
Har van Fulpen (der Verleger) hat meine Zeichnungen sehr herzlich aufgenommen. Später haben wir nicht nur an den von ihm herausgegebenen Alben, sondern auch an vielen anderen Projekten bis zur Einstellung des Verlages zusammengearbeitet. Er hat mich auf seinen Reisen ein paar Mal in Ungarn besucht und wir sind gute Freunde geworden.


> Was kannst du uns über deine Zeit als Illustrator bei Kedvenc Rejtvénylap bzw. Kismalac Magazine erzählen (für jemanden, der die Verlage und Zeitschriften nicht kennt)?


Ich bin diesen Verlagen noch treu verbunden, obwohl die Bezahlung für eine Karikatur viel geringer ausfiel, als für einen Comic-Auftrag. Ich vergesse nicht, dass ich bei diesen Verlagen in Ungarn angefangen habe. Ich würde auch Móricka, Pistike, Hahota erwähnen, das sind alte Humorzeitschriften, für die ich auch heute noch arbeite. Für die Zeitschrift Kedvenc mache ich nicht nur Karikaturen, sondern auch Illustrationen und zu meiner großen Freude auch Kinderpuzzles. Manchmal nehme ich auch Buchumschläge und Buchillustrationen an. Was ich nicht mehr mache, sind Porträtkarikaturen - auch wenn ich viele Auftritte bei städtischen Veranstaltungen und Versammlungen hatte.


> Ich interessiere mich natürlich besonders für deine erotischen Comics. Erzähl mir ein wenig über deine Zusammenarbeit mit Sombrero. Mitte der 2000er Jahre wurden in kurzer Zeit viele Titel produziert. Woher stammte das Material? Handelt es sich um ältere Werke von dir oder sind diese Alben in diesem Zeitraum entstanden?

Ja, meine Alben wurden ab 2006 veröffentlicht (Harem of the Pharaoh war das erste, das auch auf Italienisch, Englisch und Ungarisch veröffentlicht wurde). Wir begannen 2004 mit dem Schreiben der Geschichten und dem Erstellung von Skizzen. Ich habe bis ins Jahr 2012 fast ausschließlich für Har van Fulpen (Drukwerk) gearbeitet.

Interessant ist vielleicht, dass auch mein jüngerer Bruder Celestin bei Sombrero zu veröffentlichen begann, dessen erotische Comics ebenfalls ziemlich populär wurden. Er hat mit Sombrero gearbeitet, dann mit Dofantasy und heute veröffentlicht er bei dem französischen Verlag Murano.


> Woher stammen die Themen für deine Geschichten? Inspiriert durch ein Interesse an Geschichte und Literatur (wie in "Vlad" und "Harem des Pharao")? Die Comics sind zwar mit Sexszenen gespickt, aber sie enthalten auch kleine historische Informationen. Selbst die Alben "Kim Holland" oder "Sunny Leone" wirken im Grunde wie ein gezeichneter "Wiki-Eintrag", ähnlich der amerikanischen Carnal Comics – die gezeichnete Lebensläufe über amerikanische Pornostars (Ginger Lynn, Marilyn Chambers, Veronica Hart,...) enthalten – oder die italienischen Selen-Comics.


Ich liebe historische Comics, die Werke meines Vorbilds und Meisters Attila Fazekas sind für mich der Maßstab. Er macht bis heute wunderschöne historische Comics. Ich würde hier auch Manaras Borgia-Kreationen erwähnen.
Ich habe zwei meiner Lieblingsthemen kombiniert, Erotik und Geschichte; so habe ich den "Harem des Pharaos", die "Vlad"- und "Bathory"-Comics geschrieben. Wo es nötig war, hat Har (van Fulpen) um mehr Erotik gebeten und ich habe auf seinen Rat gehört und sie neu gezeichnet.

Ja, ich kenne die Comics von Carnal Comics und das italienische Selen (das zu meinen Lieblingsbüchern gehört). Sunny Leone in Moskau war ähnlich, obwohl es komplett fiktiv war und keine realen Handlungen oder Quellen hatte. Das Album wurde mit Sunnys Erlaubnis und Fotos erstellt. Da es den Lesern gefiel, wurde dann die Geschichte von Kim Holland veröffentlicht (ebenfalls fiktiv). Ich habe sie gerne gezeichnet, aber man sieht den Zeichnungen an, dass die Fristen knapp waren. Bei einem meiner Lieblings-Online-Verlage, Lustomic, habe ich fast ein Jahr Zeit für 20 Seiten, so dass die Zeichnungen detaillierter sind und ich keinen Termindruck verspüre.


> Wie viel von deinen eigenen Geschichten oder Fantasien fließt in deine Arbeiten ein?


Manchmal arbeite ich mit Autoren zusammen, aber normalerweise schreibe ich meine eigenen Geschichten. Ich habe eine Menge Kreativität und Ideen zu Themen wie Science-Fiction, Humor und Geschichte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nie die Zeit haben werde, sie alle zu schreiben.


> Was sind deiner Meinung nach die Zutaten für ein gutes erotisches Comic-Album?


Das ist eine schwierige Frage, denn es gibt viele Zutaten und es kommt auch auf das Thema und den Fetisch an. Es hängt vom Leser und seinem Interesse ab, ob es nur eine Seite, kurz oder lang, Text- oder Bildlastig sein soll.
Ich selbst mag längere Geschichten mit ein bisschen Humor und mit einer guten Handlung. Viele Leute mögen längere BDSM- und Femdom-Themen und kurze, lustige, sexy Geschichten, wie bei Rooie Oortjes.


> Deine Arbeitsweise ist/war recht traditionell mit Pinsel, Tusche, Bleistift,... Aber in einer schnelllebigen Welt drängt sich die digitale Arbeitsweise mehr und mehr in den Vordergrund? Wo siehst du die Vorteile, wo die Nachteile in den digitalen Techniken - speziell für deinen Zeichenstil?


Ja, ich habe in der Tat mit traditionellen Techniken angefangen, doch das Album Harem des Pharaos ist bereits digital entstanden und meine digitale Quote liegt heute bei etwa 80 Prozent. Da ich jedoch sehr gerne traditionell zeichne, würde ich es vorziehen, wenn dieser Prozentsatz bei etwa 60 Prozent liegen würde.
Es geht viel schneller rein digital zu arbeiten und dank der verschiedenen Pinselsätze kann man traditionelle Effekte gut nachbilden. Aber es gibt kein handfestes Original, selbst wenn man es nachher ausdruckt. Es ist nicht dasselbe.


> Sind deine Cartoons für Rooie Oortjes nur in den verschiedenen Zeitschriften (Rooie Oortjes Magazine,...) erschienen? Gab es kein Angebot für ein ganzes Album (für "Deel" oder "Cartoonalbum")?


Ja, diese wurden nur in Zeitschriften und Anthologien mit Gürsel, DiSano in einem schönen Sammelalbum veröffentlicht.
Der Verlagsleiter Rob Harren und ich hatten eine gute Beziehung. Er hat mir sehr geholfen, da mein ungarischer Karikaturstil sich sehr von dem beliebten franko-belgischen Stil unterscheidet. Er hat mir vier Jahre lang geholfen und mich korrigiert, mich angeleitet und mir beigebracht, worauf ich achten muss, bis es in den Druck geht (damals war es natürlich nicht perfekt, heute denke ich, dass es das ist). Dann hat die Firma gewechselt und aus irgendeinem Grund hat er aufgehört auf meine E-Mails zu antworten. Obwohl ich nicht allzu viel Zeit mehr dafür habe, macht es mir noch große Freude für den Verlag zu arbeiten.


> Anknüpfend an das
Alfabéta-Interview von 2016: Wurden die dort erwähnten Pläne bereits umgesetzt? Oder gibt es neue Zukunftspläne für dich und deine Kunst?

Du bist sehr gut informiert. Ich sehe, dass Du etwas recherchiert hast. Vielen Dank dafür! Leider ist aus diesen Plänen aus Zeitgründen nichts geworden („Aesopus“ ist ein großer Traum, ich habe die Geschichte und auch die Figuren) und „Betyár Bandi“ liegt auch in der Schublade. Das sind so eine Art Liebesprojekte, eigene Träume, die immer wieder von meinen aktuellen Aufträgen zur Seite geschoben werden.


> Ich denke, die Comicszene oder die Auftragsmöglichkeiten waren in den 2000er Jahren in Ungarn eher bescheiden, und als Cartoonist/Comiczeichner musste man nehmen, was einem angeboten wurde. Ich vermute, die interessantesten Aufträge kamen aus anderen europäischen Ländern. War das Internet das wichtigste Tor, um Kontakte zu knüpfen?


Ja, Comics waren in Ungarn nicht wirklich populär. Karikaturen hingegen waren viel populärer als anderswo. Dadurch entstand der seltsame Status, dass ich in meinem Land vor allem für meine Karikaturen bekannt bin und man meine ausländischen Comics nicht kennt, während diese Werke international die Aushängeschilder sind.

Es ist genau so, wie du sagst: Für mich ist das Internet sehr wichtig, da ich nicht gerne reise. Ich habe auch Flugangst und ich bedauere die Zeit, die ich nicht mit Zeichnen verbringe. Allerdings werde ich an viele Orte eingeladen. Letztes Mal hat mich der französische Verlag Tabou nach Illzach, zum Bédéciné-Festival und nach Angouleme eingeladen, um mein Album “Un destin de soubrette“ zu signieren, wozu ich sehr gerne gegangen wäre, aber Covid hat es unmöglich gemacht. Vielleicht beim nächsten Mal, wenn es eine Chance gibt.


> Wenn du das Zeichnen nicht für dich entdeckt hättest, welche Berufung/Leidenschaft/Hobby wäre dann ein guter Zweitberuf für dich geworden?


Es mag eine seltsame Antwort sein, aber ich wollte lange Zeit Priester werden, aber Gott hatte die Frauen zu schön gemacht, als dass ich das hätte tun können.
Außerdem mag ich Tiere sehr, und zu der Zeit, als ich als Journalist arbeitete, hatte ich einen Briefwechsel mit Gerald Durrell, und es zeichnete sich ab, dass ich als Helfer in seinen Zoo auf der Insel Jersey reisen könnte. Ich wollte unbedingt dorthin, aber während der Vorbereitungen war er leider verstorben und dieser Plan wurde nicht verwirklicht. Ich habe auch in einer Konditorei gearbeitet, was einer meiner Lieblingsjobs von allen war. Aber wenn ich jetzt nicht zeichnen würde, hätte ich vielleicht angefangen, Romane zu schreiben. Es lagern noch etliche Ideen und Konzepte in den Ordnern meines Computers.

Vielen Dank für die Fragen. Ich hatte das Gefühl, dass du dich wirklich für meine Antworten interessiert und spüre, dass du Comics verstehst.


> Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für deine zukünftigen Projekte. (Gaijinjoe)

 

erotische Veröffentlichungen (Auswahl):
- Harem van de farao (2006, Sombrero#143, Niederländisch / L´Harem del Faraone, 2009, EF edizioni, Italien)
- Donau Girls (2007, Sombrero#147 / Danube Girls - Le ragazze del Danubio, 2010, EF edizioni, Italien)
- Rome, tweede Punische oorlog 2 (2008, Sombrero#151)
- Graaf Vlad (2008, Sombrero#153)
- Graaf Vlad 2 (2008, Sombrero#154)
- Sunny Leone in Moskou (2009, Sombrero#158)
- De bloedgravin (2010, Sombrero#165)
- Kim Holland - Eerste lesbische ervaring (2010, Sombrero#168)
- Hot Marijke (2010, Sombrero#169)
- Villa SM (2011, Sombrero#176)
- Rooie Oortjes Sammelband (2011 und 2012)
- Un Destin de Soubrette (2022, Tabou, Frankreich / The Sissy Stories 1+2, 2021, EF edizioni, Italien)

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