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Alan Davis

heißt mit bürgerlichen Namen Jean Pailler und wurde 1952 in Frankreich geboren. Er veröffentlichte erste Zeichnungen im Journal Antirouille. Zusammen mit Kollege Marcel Coucho ging Pailler 1977 zum bekannten Comic-Magazin Pilote.

Neben ein paar Kurzgeschichten, lancierte er dort seinen Charakter "Deconan le Barbaresque". 1979 wechselte Pailler für einige Jahre seinen Schwerpunkt von den traditionellen Comic hin zu den erotischen Bildergeschichten. Für die unterschiedliche "Schwere" des expliziten Inhalts seiner Geschichten, entwickelte Pailler verschiedene Pseudonyme. Er signierte die Reihe "Iris" im Magazin SexBulles mit dem Pseudonym Jo Cordès und die Kurzgeschichten von "Billie and Betty" für das Magazin Bédé Adult mit Alan Davis (nicht zu verwechseln mit dem bekannten englischen Zeichner, der überwiegend für Marvel und DC arbeitete). So entstanden für die Magazine SexBulles, Bédé Adult und Bédé X Serien wie "Le Clan", "Charlie Logan", "Iris", "Viol avec préméditation", "Les Fils de la violence" und einige mehr.

Unter einem weitere Pseudonym Jean Pignar zeichnete Pailler in einem frankobelgischen Funny-Comicstil das Album "Les Pieds Niqueurs". Dabei handelt es sich um eine erotische Parodie der bekannten Comicserie Pieds-Nickelés.

1988 gründete Pailler eine eigene satirische Zeitung, die es nur auf zwei Ausgaben brachte. Dazu entstanden die Geschichten "Pisseur d'encre" (zu deutsch etwa "Tintenpisser") und "Les Craignos".

Um 1993 kam er zu den erotischen Comic zurück um eine Ausgabe für die bekannte Serie Liz and Beth von George Levis zu zeichnen; die in Frankreich bei Glénats Label "Le Marquis" erschien.

1997 tauchte im Magazin Geisha eine Geschichte "Cyber-Drague" auf, gezeichnet unter dem Pseudonym Jo Cordés. Hier schwankt bereits Paillers Stil zwischen "cartoonhaft" und realistisch.

Paillers Zeichenstil ist durchaus variabel und vielschichtig, aber trotz seiner vielen Pseudonyme wiedererkennbar. Dabei schwankt sein Stil immens von realistisch genau zu karikaturhaft überzeichnet. Meist siegt letzterer.

Augenfällig und unverwechselbar ist seine ungewöhnliche Art weibliche Gesichter - vor allem im Profil - zu zeichnen. Gewöhnlich ist die Stirnpartie sehr ausgeprägt und nach außen gewölbt und hält dabei Linie mit der nach innen gezogenen Nasenpartie; so das das Gesichtsprofil eine schwache konkave Ausrichtung erhält. Zudem wirken die weiblichen Gesichter oftmals recht starr und puppenhaft, meist mit einem dauergrinsenden Mund versehen. Die männlichen Figuren werden dazu passend karikaturhaft überzeichnet, um ihre Charakterzüge optisch zu verstärken. Auffallend auch hier: Gesichter mit geschlossenem Mund gezeichnet sind äußerst selten anzutreffen in Paillers Geschichten.

Paillers Zeichenstil ist - vor allem in den späteren Werken - äußerst professionell, ohne Makel oder Schwächen. Gerade als Alan Davis bekommen seine weiblichen Figuren eine erotische Überzeichnung, die hochgradig anregend ist.

Bei der Fülle an Pseudonymen konnte es durchaus vorkommen, das in Magazinen wie zum Beispiel Bédé Adult, Pailler mit zwei Geschichten, aber unterschiedlichen Künstlernamen vertreten war. Sicherlich eine "Win-Win"-Situation für beide Seiten. Der Verlag hatte abwechslungsreiche Magazine mit vielen Künstlern und der Comiczeichner hatte mehr Seiten pro Ausgabe; was zwangsläufig mehr Geld bedeutete.

Als Autor versteht Pailler es durchaus, interessante erotische Szenarien aufzubauen und bietet eine üppige Auswahl sexueller Spielarten.
So präsentiert "Le Clan" dem Leser unter anderem ein Vielzahl an homoerotischen, sowie trans- und bisexuellen Szenen.

Unter seinem Pseudonym Alan Davis zeichnete Pailler wohl am "deutlichsten". So zu sehen bei "Le Clan" oder "Billie & Betty". Hier ordnet sich auch die Erzählung ganz dem erotischen Grundthema unter. Als Jo Cordès hält sich Pailler dagegen etwas zurück und präsentiert die erotischen Szenen eher Softcore. Hier spielt die Handlung den bestimmenden Ton.

In "Charlie Logan" steht die Kombination Sex und Action im Vordergrund. Die titelgebende Heldin geht in ihren Abenteuern in ramboähnlicher Manier zu Werke und braucht sich vor ihrem italienischen Pendant Ramba nicht zu verstecken. Doch Charlie Logan ist bei Weitem nicht so "brutal" und "düster" wie Ramba und lässt durchaus auch positive erotische Stimmung aufkommen.

Die klassischen Themen, wie Hass, Liebe, Rache, ... sind in all ihren Variationen Paillers erste Wahl beim Aufbau seiner erotischen Geschichten.

Mit Jo Cordès Heldin Annie-Paule fiebert der Leser gespannt mit, wenn sie - inmitten des besetzten Paris 1943 - ihren Platz in der Welt und ihre sexuelle Identität zu finden versucht. Man darf ihre ersten Abenteuer mit Männern und Frauen erleben, ihre Verwicklungen als Gespielin eines deutschen Offiziers und ihre Suche nach Liebe, die sie in die Arme eines Zuhälters treibt. Cordès gestaltet die erotischen Intermezzos dabei recht soft und ohne explizite Detailaufnahmen. Der erotische Anteil in den Iris-Bänden ist zwar hoch, doch das Hauptgewicht bleibt auf der schicksalshaften Geschichte selbst.

Im Laufe seiner langjährigen Karriere ist eine beachtliche Anzahl an Alben und Kurzgeschichten entstanden.

Veröffentlichungen (Auswahl):
unter dem Pseudonym Alan Davis (Hardcore):
- Billie & Betty (4 Alben, 1984)
- Au plaisir des dames
- Viol avec préméditation (1987)
- Le Clan (3 Alben + 1 unveröffentlichtes Album, das nur im Magazin Bédé Adult erschien/1986-1987)

unter dem Pseudonym Jo Cordès (eher Softcore):
- Iris (3 Alben)
- Les fils de la violence
- Les chroniques d'Astup
- Charlie Logan

unter dem Pseudonym Jean Pignar:
- Les Pieds Niqueurs (CAP/Bédé X, 1990)

unter seinem richtigen Namen Jean Pailler:
- Chute á tiroirs (Dargaud, 1981)
- Déconan le barbaresque (1 Album, Dargaud, 1979/Neuauflage 1985)
- Liz et Beth - Le club des sens (Band 5, Glénat, 1994)

Links:
- die (dürftige) französische Wikipediaseite
- Bedetheque Jean Pailler
- Bedetheque Jo Cordes
- Bedetheque Alan Davis

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