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Kommentar des Autors:

Ich wollte an dieser Stelle persönlich einige Zeilen schreiben, ohne allzu tief und fundiert in dieses komplexe Thema einzusteigen. Ich hoffe ich kann meinen Standpunkt mit den folgenden Zeilen ein wenig erläutern.

Sweet life, please!! ist über die Jahre zu einen meiner Lieblings-Manga geworden. Mir war bei der Sichtung des japanischen Originals schnell klar, das eine westliche Veröffentlichung - zumindest eine vollständige - unmöglich sein wird.

Wenn man jedoch die Geschichten im vorliegenden Manga erregend findet, ist man dann schon gefährdet möglicherweise Schlimmeres zu tun und versucht reine Fantasieprodukte in die reale Welt zu transportieren?

Nein, denn meine Antwort lautet: Gesunder Menschenverstand!
Ich lese auch andere tabubelegte h-Manga, würde aber im realen Leben nicht auf die Idee kommen meine Familie zu beschlafen, mir ein Tier zu besorgen oder mich für S&M-Spiele in den Folterkeller begeben (um einmal die größten Tabu-Themen abzudecken). Mir persönlich reicht die gezeichnete Fantasie gänzlich. Ja, sie besitzt durch ihre "Nicht-Realität" eben jene fantasiebeflügelnde Aura ohne Ablenkung durch allzu menschliche (körperliche) oder technische Makel, sowie gesellschaftliche oder religiöse Schranken, Tabus und Moralvorstellungen.

Deshalb habe ich moralisch oder psychisch keine Probleme mit den vorliegenden Mangas von Kagero Senke. Es gibt durchaus verstörende Manga-Bücher, auch innerhalb des Lolicon-Genres, und diese sind meist fern jeder Behaglichkeit. Ob jedoch die gedruckten Werke für einige wenige eine Vorstufe sein können, gezeichnete Fantasien real werden zu lassen, kann ich nicht beurteilen. Zumindest im Herstellungsland Japan sind die Übergriffe auf Kinder nicht besorgniserregender als anderswo - obwohl jeder einzelne Fall einer zuviel ist!

Sollte man zum vermeintlichen Schutz der Schutzbefohlenen deshalb den gesellschaftlichen oder staatlichen Hammer der Verbote und Zensuren schwingen? Wer sich nach dem Konsum von Lolita-Manga oder -Comic an Kindern vergreift oder andere dazu anstiftet, hätte seine Wunschvorstellungen möglicherweise früher oder später dennoch ausgeführt - auch ohne eine vermeintliche gezeichnete "Anleitung" oder "Anstiftung".

Nochmal klar und deutlich: Wer Fotos oder Videos von Kindern in aufreizenden Posen oder in sexualisierten Handlungen besitzt oder sie anfertigt, gehört gesetzlich bestraft. Ohne Ausflüchte. Wenn jedoch, wie in den USA geschehen, Menschen verurteilt werden (zum Teil mit Freiheitsentzug), weil sie vermeintliche Lolita-Manga (und nicht mal die wirklich bedenklichen) in ihr Heimatland einführen wollten, dann hört sich für mich persönlich der Spass auf. Wegen eines Hentai-Manga ins Gefängnis?

Darf man jedoch die gezeichneten Geschichten als harmloses Lesevergnügen abtun? Verharmlosen vielleicht nicht, aber auch nicht verteufeln oder verbieten. Wie beschrieben, gibt es im Subgenre Lolicon-Manga verschiedene (japanische) Künstler, die mit diesen Themen spielen. Manche Mangakas haben dabei eine eher dunkle Fantasie. Diese Produktionen sind durchaus grenzwärtig und selbst in Japan nur für ein äußerst kleines Lese-Publikum gemacht. Man sollte sich dabei schnell wieder vom üblichen "die perversen Japaner"-Klischee lösen.

Gezeichnete - wie auch niedergeschriebene - Fantasien sollten das sein und bleiben, was sie sind. Literarische beziehungsweise künstlerische Ausdrucksformen von geheimen, unerfüllbaren Wünschen und Träumen - vielleicht auch Rauschzustände der Wolllust, die sich wieder beruhigen. Über den künstlerischen oder gesellschaftlichen Wert kann man sich gerne streiten. Gewiss, das Tabu macht den Reiz aus. Der gesunde Menschenverstand sollte jedoch dafür sorgen, das diese Fantasien nicht in das reale Leben wechseln. Niemals!

Gaijinjoe

 

Dazu noch ein Auszug aus dem Artikel von Christa Hager, WienerZeitung.at, 1.7.2014

"Lolita im Chrysanthemenland"

"Sie sind schmutzig, fies, gemein. Mangas werden in Japan in unglaublichen Mengen verschlungen und bedienen nahezu jegliche Vorlieben - neben Romantik, Horror, Science-Fiction, Action oder Geschichte eben auch Sex und Gewalt. Europäischen Betrachtern muten diese bisweilen exzessiven Abbildungen von Züchtigung, Grausamkeit und den Kindern und Mädchen zum Teil befremdlich an. In Japan ist nun eine heftige Debatte darüber entbrannt, ob man solche pornographischen Heftchen verbieten sollte. Stein des Anstoßes: Nach jahrelangem internationalen Druck - Japan zählt neben den USA und Russland zu den größten Märkten für sexuelle Darstellungen von Kindern - segneten das japanische Unter- und Oberhaus im Juni ein Gesetz ab, das Kinderpornografie verbietet. Zwar hatte Japan die Produktion und Verbreitung von kinderpornografischem Material bereits 1999 verboten, mit dem neuen Gesetz stellt es nun auch den Besitz unter Strafe. …

…Es wurden außerdem eine Übergangsfrist festgelegt - wer Kinderpornos besitzt, hat nun ein Jahr Zeit, sie loszuwerden - und eine Ausnahme: Pornographische Darstellungen von Kindern in Mangas und Animes sind weiterhin erlaubt.

Die Faszination von sexualisierten Darstellungen von Mädchen hat in Japan einen Namen: Lolicon, kurz für Lolita-Komplex. Der Grundstein für die Popularität dieser Lolicon-Mangas geht mehr als 100 Jahre zurück: Paragraph 175 des japanischen Strafgesetzbuches (ursprünglich aus dem Jahr 1907) besagt unter anderem, dass Körper, die in der Öffentlichkeit abgebildet werden, so gezeigt werden müssen, dass keine Schamhaare zu sehen sind. Das führte in Folge dazu, dass die Darstellerinnen der Sex-Mangas immer jünger und kindlicher wurden, damit (haarlose) Geschlechtsteile gezeigt werden konnten....

… Die Japan Magazine Publisher’s Association, die mehr als 90 Verlagshäuser vertritt, befürchtet dadurch Willkür gegen Kunstwerke und Kunstschaffende. Außerdem war dem Gesetz ein Entwurf vorausgegangen, der auch ein Verbot von kinderpornographischen Mangas und Animes vorgesehen hatte - ein Sturm der Entrüstung war die Folge, vor allem seitens der Manga-Verleger und Autoren. Die entschärfte Version wurde letztendlich verabschiedet, mit der Begründung, dass die Abbildungen in den Porno-Mangas imaginär wären und sich nicht gegen reale Kinder richten würden und die Freiheit der Kunst dadurch eingeschränkt würde.

Shinichiro Inoue, Präsident des großen Manga-Verlagshauses Kadokawa Shoten Publishing Co, etwa meinte in einem Interview in der japanischen Tageszeitung "Asahi Shimbun", Comics mit sexuellen Abbildungen stellten ohnehin nur eine marginale Subkultur dar. Eine Regulierung würde in Folge nur den Weg für weitere drakonische Regulierungen ebnen, die auch Zeitungen, Bücher und Zeitschriften betreffen könnten. Obendrein hätte der Entwurf dazu geführt, Lolicon-Zeichnungen mit tatsächlichem Missbrauch gleichzusetzen. So argumentieren Verleger und Künstler damit, dass ein Verbot anrüchiger Mangas und Animes das Ziel des Gesetzes, nämlich Kinder zu schützen, nicht gewährleisten. Denn die pornografischen Animationen und Mangas würden keine "realen" Kinder ausbeuten, vielmehr handle es sich in den Lolicons um Zeichnungen, um Kunstwesen, die keine sexuelle Gewalt gegenüber echten Kindern zeige. …

… Trotz der pornografischen Bilder und Inhalte dürfe man diese Fantasiefiguren deswegen nicht mit wirklichen Kindern gleichsetzen, heißt es. In der Tat: Viele Manga-Mädchen haben zum Beispiel Katzenohren und -schwänze oder Fellbüschel an den Händen und Füßen - Mangas sind eben immer schon eine Mischung aus Realität und Fantasiewelt gewesen.

Ken Akamatsu von der Japan Cartoonist Association meint daher, dass deshalb in Animes und Mangas keine Kinder zu Schaden kämen. Wichtig sei, tatsächlichen Kindesmissbrauch zu verfolgen. …

… Kritiker des verabschiedeten Gesetzes gegen Kinderpornografie befürchten allerdings, dass auch die abgeschwächte Form nichts am grundlegenden Problem ändert, dass Mädchen in den Mangas weiterhin als sexuell ausgebeutete Objekte dargestellt werden. Man müsse daher alle Hebel in Bewegung setzen, um das Übel an der Wurzel zu packen. Die Frage, wann etwas kriminell ist oder Kunst, welche Fiktionen in einer Gesellschaft akzeptabel sind und welche nicht, ist in Japan also noch lange nicht zu Ende. Fraglich ist nur, ob eine zielführende Debatte darüber möglich ist, ohne die Tabu-Zone Patriarchat an den Haaren zu packen."

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