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Riverstone

 

Überaus erotisch, unverwechselbar und markant zeichnet der französische Comickünstler Riverstone; auch bekannt unter seinen Pseudonymen Peter, Caumandre, Pierre, P.L. du Main, 023014, Firestone, Molossier oder José Pierre (und comput_lab? - Comput_lab ist eigentlich kein Pseudonym, sondern eine Comic Coloring Agentur in Belgien, die unter anderem die Frühwerke Peters kolorierte).
(Dank an Michel Van für diverse informationen).

Riverstone wurde am 14. November 1947 in Clamart, Frankreich als Bernard Kamenoff geboren.

 

Sein Stil ist realistisch, idealisierend, schwungvoll, oftmals skizzenhaft. Jedes einzelne Comic-Bild für sich ein Kunstwerk, das man gerahmt in eine Kunstausstellung hängen möchte. Seine spätere Farb-Technik erinnert an Öl- oder Acrylgemälde alter Meister.

 

Riverstone fügt keine Sex-Szenen aneinander. Er erzählt Geschichten! Jedes Album ist inhaltlich wie optisch ein kleines Gesamtkunstwerk.
Diese sind mal futuristisch oder geschichtlich angehaucht, melancholisch zart oder voller blutiger Gewalt. Er arbeitet mit symbolischen, ergreifenden Bildern - hocherotisch, "pornografisch", aber nie vulgär.

 

Peter hat in allen populären französischen Erotik-Monatsmagazinen veröffentlicht. Seine Alben erschienen zudem in den USA, Holland und Deutschland.

 

Peter verbrachte seine Kindheit in Paris und studierte dort Kunst an der Beaux-Arts UP8 (Units Pédagogiques 8), sowie zwischen 1969 und 1971 an der Fakultät in Vincennes.


1980/81 wurden erstmals Arbeiten von Peter im französischen Magazin Charlie Mensuel veröffentlicht. Diese waren noch in einem Funny-Stil gezeichnet. 1982 durfte er an der Detektiv-Serie "Martin Verlass" mitarbeiten. Zur selben Zeit entstand bereits das erotische Album "Alice" (im Wunderland) bei Verlag Dargaud (Magazin Pilot und später 1985 als Album) und "Annah O"; zusammen mit Autorin Nikita Mandryka. In dieser Zeit erschienen auch einige Beiträge von ihm im deutschen Pilot-Ableger und im legendären Schwermetall Magazin.

 

Als die Serie "Annah O" für den Dargaud Verlag sehr wüst von einer neuen Redaktion abgebrochen wurde, wechselte Peter zu CAP. Dort zeichnete er "Gomorrhe" für das Magazin Sexbulles. Im Laufe der Zeit entstanden für die Magazine Bédé Adult und Bédé X die Geschichten "L'lle des fantasmes", "La Fugue infinie", "Chloe - Trop plein d'écume", "Thamara et lucia", "Nagarya", "Judith et Holopherne", "Casanova ultérieur",.... Viele dieser "Vorveröffentlichungen" wurden später in Alben-Form "wiederveröffentlicht".
Mitte der 80er Jahre wechselte Riverstone zu seinem unvergleichlichen und unverwechselbaren "Ölgemälde"-Zeichenstil.

 

"Seine Frauen" zeichnet Peter idealisiert, mit üppigen Brüsten, endlos langen Beinen - puppenhaft mit jungfräulichen Gesichtszügen. Männliche Charaktere haben meist großzügige, potente Attribute; die Dimensionen von Pferdepenissen erreichen und weibliche Leser wohl eher an ein schmerzhaftes "Aua" denken lassen.

 

Peter greift in seinen Erzählungen gerne auf biblische oder antike Figuren zurück. Im Album "Judith & Holophernes" berichtet er über die jüdische Prinzessin Judith, die sich dem Heerführer und Eroberer Holophernes selbst zum Geschenk macht, um damit ihr Volk zu retten.
In "Thamara et Juda" tauchen die Figuren Onan und Juda auf. In der futuristischen Erzählung "Nagarya" strandet eine "jungfräuliche Eva" und drei Männer auf einer fremden Welt.

 

Bei der Fülle an Produktionen blieben Ärgernisse nicht aus. Während Peter im Bédé Adult Magazin oft freie Hand hatte, verhielt sich Verleger CAP bei den späteren Albenveröffentlichungen rüde und rücksichtslos. "Gomorrha" wurde gnadenlos nach 48 Seiten beendet, obwohl die Geschichte eigentlich noch weiterging. Schlimmer traf es "Chloe". CAP ließ den Text von Redakteur Jean Carton umschreiben, ohne das Riverstone eingreifen konnte. Und "Casanova Ulterieur" wurde nie fertiggestellt, weil CAP Pleite ging.
Sein Experiment mit "The Experience" für Aircel Comics des US-Verleger Malibu Graphics war eine einzige optische Katastrophe. Das Comicheft erschien in schwarz/weiß-Druck und Riverstones wunderschöne Farbarbeit versank in einem matten Einheitsgrau.

 

Lange hörte man nichts mehr von Peter. Zwischenzeitlich (1999-2006)arbeitete er als Lehrer für 3D-Grafik und Animation.
2005/2006 wurde sein bisher letztes Album veröffentlicht "Evy en Ruines" (Bilder am Ende des Artikels). Neben dem Album sind auch bewegte Bilder in Form eines Films geplant. Das Comicalbum ist interessant. Auf den ersten Seiten sieht man "Evy" traditionell gezeichnet in einer öden, apokalyptischen Endzeitwelt. Später, wenn sie in die "Unterwelt" hinabsteigt, wechselt Riverstone die Technik. Ab diesem Punkt sind die Charaktere computergenerierte 3D-Figuren.

Neue Projekte, wie etwa eine Neuauflage von "Nagarya" als limited edition finden sich auf seiner Homepage.
 

Veröffentlichungen (Auswahl):
- Alice (im Wunderland) (1982) (Softcore-Comic)

- Gomorrhe (1982/83, Frankreich bei CAP)

- Die endlose Flucht (1986?)
- Die Insel der Perversionen (1985)

- Chloé (Trop plein d´ecumes) (eines seiner schönsten Werke, allerdings nur in der BD Adult Veröffentlichung) (1984-89)
- Nagarya - Vol. 1: „In the Beginning“ (1987)

- Nagarya - Vol. 2: "The lost continent" (1992/1995)
- Judith & Holophernes (1990/1993)
- Thamara & Juda (1989)

- 120 journées de Sodome (1990/1994, nur im Magazin Bédé Adult erschienen)

- Casanova (Kurzgeschichte BD Adult)
- Le Rossignol (Kurzgeschichte BD Adult)
- The Experience (Aircel Comic 1991)

- Evy en Ruines (Mix Computer/Zeichnung, 2003/2006)

 

Links:

- Riverstone Homepage

- französische Wikipediaseite

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