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Rogério Nunes

Der brasilianische Künstler Rogério Nunes (Jahrgang 1969) zog in den 1990er Jahren - der Liebe wegen - nach Europa und lebte zuerst ein Jahr in Spanien und siedelte danach nach Leuven, Belgien. (1)

Nunes belegte Zeichenkurse beim Comiczeichner Ferry (Fernand van Fosselen) an der Saint-Luc-Academy in Ghent; wo er auch zwei Jahre lebte. Hier bekam sein Talent den letzten Schliff. In seiner Freizeit sah man ihn des Öfteren in den großen Bibliotheken von Ghent und Leuven, die über umfangreiche Sammlungen von Comics verfügten.

Sein Lehrer Ferry verhalf ihm auch zu seinem ersten Job bei Boemerang - dem Verlag von Rob Harren - nachdem etliche Versuche einen Verleger zu finden scheiterten. Nunes veröffentlichte seine ersten Comics im Rooie Oortjes Magazin.

Es erschienen in der Reihe "Rooie Oortjes - Erotische Verhalen" insgesamt drei Alben die ausschließlich Beiträge von Nunes enthalten (Ausgaben 1, 6, 8). Im Band 7 war er ebenfalls vertreten, teilte den Platz aber mit mehreren Rooie Oortjes-Zeichnern.

Nunes - "der Zeichner mit den Grimassen".
Auffällig bei etlichen seiner "Rooie Oortjes"-Charakteren - vereinzelt immer noch in aktuellen Illustrationen von ihm zu beobachten - sind die ausdrucksstarken, überzeichneten Gesichter mit ihren weit aufgerissenen, verzehrten Mundpartien, die die satirischen, manchmal gar boshaften Szenerien seiner Kurzgeschichten optisch verstärken. Dazu mischt sich ein leichter klischeehaft, asiatischer Touch, der sich überwiegend in seinen männlichen Figuren zeigt.

Seinen karikaturesken "Underground-Style" hat sich der junge Nunes bereits in São Paulo angeeignet. Als Siebzehnjähriger kam er in Kontakt mit den heimischen "alternativen" Comics, die oftmals in einem Robert Crumb ähnlichen Stil gezeichnet wurden und inhaltlich mit reichlich Sex, Stereotypen, Sarkasmus und ihrem typisch brasilianischen Humor angefüllt waren.

Explizite Szenen sind in seinen Rooie Oortjes-Alben hingegen nicht zu sehen. Deutliche Details wurden von ihm immer geschickt verdeckt (siehe Beispiele unten). Er selbst empfand diese Seiten auch nicht als reine erotische Comics.
" … in Belgien bekommt man als Zeichner schnell einen Stempel aufgedrückt. Meine Comics waren schnell als Erotika eingestuft, obwohl im spanischen wie brasilianischen Raum meine eher harmlosen erotischen Szenen gar nicht aufgefallen wären. Belgien hat einen sehr seltsamen Comic-Markt. Es erscheinen monatlich eine Unmenge an neuen Titeln, doch viele dieser Comics sind eher traditionell gezeichnet und sehen sich optisch recht ähnlich. ..."
(1)

In Band 8 (1998) von "Rooie Oortjes - Erotische Verhalen" sind bereits einige Qualitätseinbußen zu bemerken. Die Zeichnungen wirken teilweise recht flüchtig gezeichnet und das Coloring - im Gegensatz zu Band 1 und 6 - wurde nur noch rudimentär ausgeführt.

In Frankreich lief die "Rote Ohren" Serie als Salut les coquines (was so viel wie "Hallo, wie unanständig" bedeutet). Die Nunes-Sammelalben liefen als: Band 4: "Dur, Dur, les faibles femmes!" und Band 6: "Ca alors".

In Deutschland erschienen alle drei Bände in der "Rote Ohren"-Reihe (Arboris/De Boemerang, 1994) als Nummer 12, 18, und 24 unter der Rubrik "Aufreizende Erzählungen".

Nunes - mittlerweile wieder in seiner alten Heimat - war in den letzten Jahren als freiberuflicher Illustrator tätig. Als Regisseur des Animationsprojekts Coração das trevas (Heart of Darkness), das unter anderem beim Annecy International Animation Film Festival 2014 gezeigt wurde, konnte Nunes ein älteres Comic-Projekt von ihm in bewegte Bilder umsetzen. Die 2D computeranimierte und im Rotoscope-Verfahren produzierte Serie von 13 Episoden á zehn Minuten basiert auf einer Adaption des literarischen Stoffes von Joseph Conrad, aufbereitet für eine Graphic Novel von José Vicente Bernardo, Antonio Carlos Olivieri und Rogério Nunes. Bereits Francis Ford Coppola benutzte Teile des Werks von Conrad für sein filmisches Meisterwerk Apocalypse Now.

Ferner war Nunes betreuender Lehrer für Illustration bei den Cycle Mandacaru 2011 Workshops in São Paulo, Brasilia und Rio de Janeiro.

Laut lambiek.net arbeitete Rogério auch unter dem Namen Edwin Nunes.

Links:
- Flickr-Eintrag
- Artikel über Heart of Darkness
- Blog-Eintrag über Heart of Darkness

Quellen:
- lambiek.net
(1) www.veto.student.kuleuven.be

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