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Tanino Liberatore

Der italienische Künstler Gaetano (Tanino) Liberatore wurde am 12. April 1953 in Quadri/Italien geboren. Mit 13 Jahren ließ in sein Vater - der nicht viel von seiner Zeichnerei als Berufsziel hielt (Thema: "Brotlose Kunst") - endlich auf die Kunstschule in Pescara gehen, wo er auf seinen späteren Künstlerkollegen Andrea Pazienza (1956-1988) traf. Seine weitere akademische Ausbildung führte in nach Rom, um an dessen Universität Architektur zu studieren.
Zwischen 1974 und 1978 gestaltete er bereits einige Plattencovers für RCA Italien.

1978 traf Liberatore auf Stefano Tamburini. Die erste Ranxerox Geschichte Rank Xerox , il coatto! wurde in schwarz-weiß noch von Tamburini selbst geschrieben und gezeichnet und in seinem eigenen Underground-Comicmagazin Cannibale veröffentlicht.

Der Antiheld RanXerox ist ein menschenähnlicher Roboter mit verarbeiteten Teilen aus Xerox Kopiermaschinen. Die Figur wurde von Stefano Tamburini erschaffen und Tanino Liberatore und Andrea Pazienza steuerten die Zeichnungen dazu. Pazienza zeichnete einige Seiten der ersten Geschichten, bevor Liberatore um 1980 Hauptzeichner wurde. Der Name des Helden war zu Beginn noch "Rank Xerox", ein Zusammenschluss aus der englischen Rank Organisation und der amerikanischen Xerox Corporation. Tamburini änderte später den Namen in "RanXerox" um einen Rechtsstreit mit Xerox zu vermeiden.

1979 konnte man Seiten von RanX im Magazin Il Male finden. Erst mit dem Ende von Cannibal und der Neuerscheinung des Comic-Magazins Frigidaire - welches Liberatore mitbegründete - findet "RanXerox" (ab 1980) eine neue Heimat - bis am 23. April 1986 (1) unerwartet sein Schöpfer Stefano Tamburini stirbt. Eine erste englische Übersetzung wurde 1983 im US-Magazin Heavy Metal abgedruckt.

Erst 1996 wurde der dritte Teil der Trilogie in Italien bei Edition 3ntini veröffentlicht; mit Texten von Alain Chabat, der die Geschichte zu einem Ende führte.

Zur Vermeidung rechtlicher Probleme wurde der Originaltitel für die deutschen Fassung zusätzlich leicht abgeändert. Aus "RanXerox" wurde in der 1983 bei Taschen erschienenen Fassung Ranxeron.

RanXerox bietet neben einem abgedrehten Plot und archaischer Gewalt, ähnlich den Figuren von Richard Corben (wie zum Beispiel "Den"), Zündstoff in Form von minimalen freizügigen Sexeinlagen, die in der englischen Veröffentlichung im Magazin Heavy Metal zensiert wurden (siehe Beispiele unten). Das betraf im Grunde nur den ersten Band/Teil "RanXerox in New York" und dort auch nur ein paar "harmlose" Bilder die den erigierten Penis von RanX zeigen. Das die Freundin bzw. Besitzerin von RanXerox ein recht jung wirkendes, Drogen konsumierendes Mädchen ist, heizte die Diskussionen um diesen kontroversen Comic weiter an - was in Folge dessen natürlich seinen Bekanntheitsgrad steigerte.
Der Comic wurde in etliche Sprachen übersetzt und in Ländern wie Frankreich (fast zeitgleich wie in Italien), Deutschland, Holland, Spanien, Amerika, Brasilien, Japan,... veröffentlicht.
Die Serie wurde unter anderem im Jahr 1983 in Angoulême mit dem Alfred Presse Preis ausgezeichnet.

"Ranxerox is a punk, futuristic Frankenstein, and with the under-aged Lubna, they are a bizarre "Beauty and the Beast". This artist and writer team have turned a dark mirror to the depths of our Id and we see reflected the base part of ourselves that would take what it wants with no compromise, no apology-and woe to the preson who would cross us. But it is all done with a black, wry, satyrical sense of humor." (2)

"Rom 1990: der Verfall des Abendlandes in Dekadenz, Gewalt und animalische Sucht nach Macht und Reichtum im Spätstadium. Die 30te Strasse: Eine groteske, Barock anmutende Szenerie der Drogensüchtigen, deren Dealern... und der blutjungen Lubna, der Ranxeron hörig verfallen ist. Ranxeron: Roboter, von Menschenhand erschaffene Maschine mit synthetischen Gefühlen, wird von dem milliardenschweren Medientycoon Volare gegen seinen automatisierten Willen zum Broadway-Superstar umprogrammiert" (3)

Ein ähnlicher Kult-Comic mit vergleichbaren Stilelementen und Inhalten entstand erst wieder 1990 mit Frank Millers und Geof Darrows Hard Boiled.

Für seinen äußerst realistischen Zeichenstil verwendet Tanino Liberatore neben Pantone Markern sogar Schmink- und Lippenstift-Farbe, die verrieben wird um so einen unverwechselbaren eigenständigen Look zu kreieren.

Liberatores Arbeiten - darunter auch etliche Kurzgeschichten mit verschiedenen Autoren, wie zum Beispiel Setbono, Daniel Varenne oder Bruce Jones - fanden sich in etlichen internationalen Comicmagazinen seiner Zeit, wie zum Beispiel Métal Hurlant (bzw. Heavy Metal und Schwermetall (siehe Aufstellung unten)), Asuivre, L´Ècho des Savanes, Chic oder Hustler. Einige dieser Kurzgeschichten sind in der 1984 veröffentlichten Sammlung "Video-Clips" zu sehen.

Zudem blieb er dem Plattencover-Design treu und zeichnete unter anderem das Frontcover für das Frank Zappa Album "The Man from Utopia". Darauf ist Zappa als RanXerox Look-a-like mit E-Gitarre zu sehen.

Neben einigen Arbeiten für das Fernsehen arbeitete Liberatore auch für den Film. Für "24 Hours in the Life of a Woman" (2002) war er als Productions Designer aktiv und für den Streifen "Asterix und Obelix: Mission Kleopatra" (2002) als Kostüm-Designer. Für "RRRrrrr!!!" und einer Folge von "Batman: Black and White" (In Dreams, 2009) war Liberatore als Art- und Pre-Production-Designer tätig.

In den letzten Jahren veröffentlichte Liberatore vermehrt Illustrationsbände mit detailreichen und fantasievollen Farb- und Schwarz-Weiß-Bildern von Frauenmotiven. Laut einem Interview war er nie der große Fan von Comics oder der Figur die ihn so berühmt gemacht hat. In den Comic ist ihm zu viel Wiederholung. Liberatore sieht sich in seiner künstlerischen Arbeit viel mehr als Illustrator.

Der "Ruf" der RanXerox-Comic lebt von seinen offensichtlichen Gewaltspitzen und vermeintlichen Sex-Einlagen. Ein erotischer Comic ist RanXerox sicherlich nicht. Doch Liberatore zeigt seine Zuneigung zur Erotik weniger in seinen Comicarbeiten, als vielmehr mit seinen erotischen Illustrationen, da er - wie auf seiner Homepage beschrieben - "immer schon nackte Frauen zeichnen wollte". Seine "seriösen" Arbeiten sollten nicht darüber hinwegtäuschen, das er nur zu gerne von diesem Pfad abweicht, um sich auf die Suche nach nackten Frauen zu begeben, die er dann zeichnen kann.

Liberatore lebt seit Anfang der 1980er Jahre in Frankreich - zusammen mit seiner Frau Mary und seiner Tochter Marianna.

Veröffentlichungen Frankreich (Auswahl):
-
RanXerox à New York (1983, Albin Michel)
- Bon Anniversaire Lubna (Happy Birthday, Lubna) (1983, Albin MIchel)
- Liberatore: Video Clips (1984, Albin Michel)
- Amen! (1996, Albin Michel)
- Ranx - Intégrale (u.a. 1993/2002, Albin Michel; 2010, Drugstore)
- Lucy: L´espoir (2007, Capitol Editions) mit Autor Patrick Norbert

Art Books/Illustrationen (Auswahl):
- Portrait de la bête en rockstar (1985, Albin Michel)
-
The Universe of Liberatore (2004, Albin Michel)
- Les femmes de Liberatore (1997, Neuauflage: 2011)
- Les Onze Mille Verges (2011, Drugstore) Illus zu Texten von Guillaume Apollinaire

- Women of Liberatore (u.a. 1997, Albin Michel)
- Liberatore B&W (2008, Edizioni Di)
- Liberatore Le Donne (2012, Eurotica (NBM Publishing, USA)

RanXerox Veröffentlichungen Deutschland (Auswahl):
-
RanXeron (in New York) (1983, Taschen)
- RanXerox in New York (1990, Carlsen Pocket 13)
- RanXeron 1 - Aus Liebe zu Lubna (1991, Luxor)
- RanXeron 2 - Kick im Kofferraum (1992, Luxor)
- Ranx 3 - Amen! (1997, Kult, + Luxusausgabe)
- Schwermetall präsentiert #22 - Video Clips (Alpha Comic Verlag)
- Schwermetall #64 ("Ich, Probleme mit Frauen?"), #87 ("Sax Blues"), #99 ("Erde gegen Saturn"), #100 ("Real Vision"), #102 (ein Seite Illustration), #104 (Titelcover), #106 ("Folly Bololy") (Volksverlag/Alpha)

Medien:
Ranx - Video Game (1990, Ubi Soft , für Amiga, Atari ST, DOS)

Links:
- Homepage von Tanino Liberatore
- italienische Wikipediaseite Stefano Tamburini
- englische Wikipediaseite Tanino Liberatore
- Interview in englisch
- Intern. Moviedatabase Eintrag
- spanisches Video

Quellen:
(1) bedetheque.com
(2) Richard Corben (1984)
(3) comic-und-spiele.de

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