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Der Artikel erschien im Jahr 2011 in einer eingekürzten Version im Comicgate-Magazin #6 "Erotik in Comics" bei Comicgate.de

Auf diesen Seiten lesen Sie eine "extended", aktualisierte Fassung.

Der erotische Comic

Beginn - Höhepunkte - Weiterentwicklung und Zukunft

 

Vorwort

Erotische und pornografische Comics werden im Grunde seit ihren Anfängen bis heute nur selten wahrgenommen: entweder werden sie verschämt ignoriert oder verächtlich gemustert. Auf jeden Fall wird ihnen nicht die Aufmerksamkeit entgegengebracht, die ihnen – und insbesondere den Künstlern – eigentlich gebührt.

Wird selbst heute noch der Comic als Kunstform negiert, haftet dem erotischen Comic schon unbesehen grundsätzlich das Etikett „Schweinkram“ oder „Pornografie“ an und die behördliche Keule schlägt gern und häufig auf alles nieder, was seit den 1950er Jahren automatisch mit „Schmutz und Schund“ gleichgesetzt wird. So ist es nicht verwunderlich, das der Porno-Comic sich heute größtenteils in den „rechtsfreien“ Raum des Internets zurückgezogen hat.

Dabei gehören erotische Darstellungen seit Anbeginn zu den künstlerischen Ausdrucksformen des Menschen. Schon immer faszinierte das „allzu Menschliche“. Was nicht weiter verwundert, wenn man die Kraft und die Erlebnistiefe der menschlichen Sexualität betrachtet. Die Geschichte der Erotika ist eine überaus lange und hat eine beeindruckende Fülle an unterschiedlichsten Interpretationen hervorgebracht.

 

Historisches und Stellenwert

In jeder Zeitepoche fanden geschickte Künstler ihre Schlupflöcher, wählten literarische oder biblische Themen um nackte Tatsachen gefahrlos malen und präsentieren zu können.

Lange Zeit war der Genuss von Erotika ein Privileg der zahlungskräftigen Schichten der Gesellschaft, die sich die teuren Kupferstiche oder Gemälde leisten konnten. Gerade im 18. und 19. Jahrhundert entstanden von Künstlern wie William Hogarth (1697-1764), Aubrey Beardsley (1872-1898), Félicien Rops (1833-1898) oder Franz von Bayros (1866-1924) erstaunliche „Sittengemälde“ – oftmals äußerst pornografisch –, die zwar heute antiquiert wirken, aber immer noch das erotische Feuer in seiner Kraft und Fülle auszudrücken vermögen.

Die karikaturesken und streckenweise erotischen Bilder des englische Malers William Hogarth, bisweilen auch in abfolgenden Bildzyklen angelegt, wurden vom Autor des Buches Comics richtig lesen Scott McCloud, bereits als eine frühe Form des Comics interpretiert.

Beardsley war eher durch seine grotesken Überzeichnungen bekannt, wohingegen Bayros in seinen erotischen Zeichnungen - im Stil des Rokoko - viel "eleganter" war; auch in den S/M-Motiven. Interessanter Fakt: damals - genau wie heute - waren erotischen Motive äußerst beliebt und führten zu billigen Nachahmern und Raubdrucken. Heutzutage erledigt so etwas das Internet.

Dabei waren die Grenzen zwischen akzeptabler Erotik, unmoralischer Pornografie und illegitimer harter Pornografie stets fließend. Obwohl eine sachliche Trennung theoretisch recht einfach erscheint, so unerfüllbar erweist sie sich in der Praxis. Da wird aus einem in einer politisch liberalen Gesellschaft als erotisch bezeichneten Werk nach einer geistig-moralischen Wende plötzlich Pornografie; was verdeutlicht, dass Einstufungen nur aussagekräftig im Bezug auf die persönliche wie gesellschaftliche Denkart sind, nicht aber im Bezug auf das künstlerische Werk selbst. (1)

Bedarf es für den Abtransport von Sekundärliteratur über populäre Comic-Kultur fast schon eines Kleinlasters, kommt man bei Nachschlagewerken über das eher anrüchige erotische Genre noch recht gut mit beiden Händen aus. Akademische Abhandlungen oder Dissertationen zu diesem Thema sind ebenfalls als überaus unterentwickelt zu bezeichnen.

Die umfangreichsten Leitfäden über erotische Comics sind die beiden Bände von Tim Pilcher, Sex in the Comics von Maurice Horn, die französischen Ausgaben der Encyclopédie de la bande dessinée érotique von Henri Filippini von 2000 und 2006 sowie eine 1982 erschienene Auseinandersetzung mit den Inhalten und Techniken der erotischen Comics von J.M. Lo Duca, das Manual des Confesseurs et Krafft-Ebing en Bandes Dessinées. In deutscher Sprache wären zu erwähnen die Abhandlungen Comic-Zensur und ab 18! von Roland Seim sowie das aus dem Jahr 1985 stammende Taschenbuch Sex im Comic von Andreas C. Knigge.

 

Die pornografischen Anfänge

Der reine erotische/pornografische Comic entwickelte sich von den ersten Schmuddelzeichnungen und Pin-up-Bildern in den Jahres des ersten Weltkriegs hin zu den in den 1920er/1930er Jahren recht beliebten Tijuana Bibles.

Die ausschließlich unter dem Ladentisch vertriebenen Heftchen waren ein erster rein pornografischer Ansatz in Comicform, der erstaunlicherweise heute noch funktioniert. Die meist unbekannten Künstler kopierten oftmals bekannte Comicfiguren oder Filmstars, die in den etwa 12 x 8 cm großen, meist acht Seiten starken Heftchen „versext“ wurden. Es entstanden kleine Serien mit Popeye, Little Orphan Annie, Blondie, Buck Rogers, Dick Tracy und Flash Gordon oder Filmstars wie James Cagney, Mae West und sogar den Marx Brothers.

Schon damals wurden die männlichen Figuren mit überdimensionalen Geschlechtsteilen überzeichnet. Ein psychologisch interessantes Merkmal, das sich durch die Geschichte der künstlerischen Erotika wie ein roter Faden zieht.

Entgegen des immer wieder auftauchenden Arguments der Frauenfeindlichkeit – das für Teilbereiche der erotischen Comics durchaus zutreffend mag – ergriffen bereits in diesen sündigen Journalen Frauen wie Männer gleichberechtigt die sexuelle Initiative. Trotz der Beschränkungen, an die für damalige Verhältnisse recht teuren Hefte zu kommen, wurden sie ein großer Erfolg und ihre Stückzahl ging wohl in die Millionen.

Wenngleich etliches „Bible“-Material von minderer künstlerischer Finesse war, so bieten doch einige Produktionen eine noch heute akzeptable Qualität. So zum Beispiel die Abenteuer des Bürstenvertreters Fuller Brush Man. Ebenso wie der legendäre „Milchmann“ war auch der einsame Hausfrauen tröstende „Vertreter“ ein beliebtes Thema. Eine Fantasie, die leider dem Fortschritt zum Opfer gefallen ist.

Mitte des 20. Jahrhunderts boomten die ersten Herrenmagazine. Es war die Zeit der „Dolls“, „Sugars“ und „Babes“, mit ihrem befremdlichen Frauenbild. In den schlüpfrigen „Herrenwitz“-Cartoons und Pin-ups wurde einerseits das von den Männern begehrte oft süße Weib dargestellt, das andererseits jedoch als kühl-berechnende Femme fatale nur ihr finanzielles Auskommen sucht. Das Klischee des blonden „Dummchens“ wurde in den Seiten der lustigen Witzblätter geboren. Natürlich bekamen auch die Männer ihr Fett weg und verkamen zur lächerlichen Imitation; ob als alte Lustgreise, geile Chefs oder tollpatschig agierende Casanovas. Gleichwohl sind diese klassischen Cartoons auch eine Hommage an die Weiblichkeit und Namen wie Bill Ward oder Dan DeCarlo waren überaus beliebte Künstler ihrer Zeit.

 

Der bizarre Weg

Bereits in den Nachkriegsjahren wurden erotische Fotografien ein erschwingliches Produkt. Mitte der 1950er Jahre waren es Namen wie Irving Klaw, ein legendärer Produzent und Fotograf von Stars wie Bettie Page, der über den Postversand Fetisch- und Bondagebilder vertrieb.

In einer wesentlich besseren Qualität als noch zu Zeiten der Tijuana Bibles belieferte Klaw mit talentierten Zeichnern wie John Willie, Eric Stanton oder Gene Bilbrew einen - bis heute - populären Seitenarm der erotischen Comics: das Bondage-, BDSM- (Bondage, Disziplinierung, Dominanz (= Sado) und Unterwerfung (= Maso) und Fetisch-Genre.

John Willie – Verleger des Bizarre Magazins (ab 1946) – hatte einen sehr klaren, akkuraten Zeichenstil, der Vorbild für etliche Weggefährten und Nachfolger wurde. Die zentrale Figur seiner berühmten Sweet Gwendoline-Comics war die etwas naive Gwendoline, die oftmals von der schwarzhaarigen Agentin U69 aus den Klauen des verruchten Sir Dystic d’Arcy (der eine gewisse Ähnlichkeit mit dem englischen Schauspieler Terry Thomas aus Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten nicht verleugnen konnte) und der dominanten Gräfin befreit werden musste.

Mit der provokanten Aussage, dass er besser zeichnen könne als die meisten Künstler (2), die bei Irwing Klaw publizierten, stellte sich der selbstbewusste junge Eric Stanton bei Klaw vor. Stantons Name fällt meist auch im Zusammenhang mit dem bekannten Zeichner Steve Ditko, DEM Spider-Man-Zeichner der ersten Stunde. Zwischen 1958 und 1966 teilten sich die beiden Künstler ein gemeinsames Studio. Über diese „Zusammenarbeit“ und gegenseitige „Beeinflussung“ wurde viel spekuliert und Ditko hat sich später mehrmals von den bizarren Schmuddelzeichnungen Stantons distanziert. Vielleicht auch um seine seriösen Auftraggeber zu beruhigen. Zu dieser Zeit hatten Künstler für anrüchiges Material - wie auch Stanton - meist einen oder mehrere „Gönner“, die als Mäzene unzählige Originalseiten für ihre privaten Sammlungen einkauften.

Bis dahin florierte das Geschäft mit den erotischen/pornografischen Comicbildern meist unter dem Ladentisch. Doch die Zeiten änderten sich. Heavy Metal und der „Underground“ eröffneten neue Wege für die „neunte Kunst“. Und die erotischen Comics bekamen einen gehörigen Push.

Auch etliche Mainstream-Comickünstler, wie Bob Kane (Batman), Joe Shuster (Superman), Carl Barks (Donald Duck), Will Eisner (The Spirit) oder Hal Foster (Prinz Eisenherz) hatten ihre "erotic moments" - und zeichneten entweder zu Beginn ihrer Karriere oder zur Auflockerung ihres restriktiven Comic-Alltags "Dirty pictures".

 

Im „Underground“

Ende der 1960er Jahre entwickelte sich in den krisengeschüttelten USA, angetrieben durch die politischen Umwälzungen der Zeit, eine „Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll“-Underground-Welle mit ihrer wohl bekanntesten Leitfigur Robert Crumb. Der 1943 in Philadelphia geborene Künstler und Musiker prägte wie kein Zweiter das Bild der Bewegung.

Mit seiner oftmals subversiven Satire und sexuellen Grenzgängen lotete er die Akzeptanz der Gesellschaft aus, eckte bei den Behörden an und versuchte neue Denkweisen in die Köpfe der Leser hineinzuzeichnen. Robert Crumb: „Wenn man Menschen verändern will, muss man eine ihnen vertraute Form nehmen und ihr einen neuen Inhalt geben“. (3)

Diese Gegenkultur war wichtig in der Entwicklung der freien Comics. Sie richtete sich gegen das Establishment und versuchte mit bestehenden Tabus und Denkweisen zu brechen. Die Szene führte gleichsam das X in die Comix ein, um sich vom Mainstream-Markt zu unterscheiden.

Auch Deutschland wurde von dieser Bewegung erfasst und es entstanden Magazine wie das U-Comix aus dem Volksverlag (später Alpha Comic Verlag) oder Brumm-Comix von Bernd Brummbär aus dem Melzer Verlag.

Deutsche Eigenproduktionen waren jedoch dünn gesät, was auch daran lag, dass die „alternative Szene“ hierzulande parteipolitischer und intellektueller geprägt war und nicht an die kreative Hippie-/Underground-Szene, die in den USA herrschte, heranreichte.

 

Comic für Erwachsene

Existiert eigentlich ein Unterschied zwischen erotischem Comic und Comic für Erwachsene? Ein erotischer, gar pornografischer Comic ist doch schließlich für erwachsene Leser konzipiert.

“Comic für Erwachsene“ ist im eigentlichen Sinne kein Genre und lässt sich auch keinem zuordnen. War bis Anfang der 1970er Jahre der Comic im Grunde eine Angelegenheit für Kinder oder höchstens eine harmlose, banale Unterhaltung für Erwachsene, ergab sich im Zuge der gedanklichen Umwälzungen in der Gesellschaft auch ein inhaltliches Umdenken in den Comics.

Künstler wie Jean Giraud alias Moebius, Philippe Druillet, Enki Bilal, Philippe Caza, Richard Corben oder Robert Crumb zeichneten eine andere, neue Art von Comic. Das aus Frankreich stammende Magazin Métal Hurlant – auf deutsch besser bekannt als Schwermetall – veröffentlichte Geschichten mit gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, Gewalt und Erotik. Sie ordneten sich aber keinem Comicgenre unter. So gab es Western-, Science Fiction-, Horror- oder Abenteuergeschichten mit erwachsenen Inhalten.

Doch eines waren diese Comics nie: pornografisch. Die Erotik war verhältnismäßig zurückhaltend und meist nur im „Softcore“-Bereich angesiedelt. Obwohl die für erwachsene Leser bestimmten Magazine und Alben überaus beliebt waren, mussten sie immer Repressionen von Politik und Staat fürchten. Für manche Comic-Händler und Verlage (z. B. den Alpha Comic Verlag) brachten behördliche Verfolgungen sogar das existenzielle Aus.

 

Das goldene Zeitalter oder: Die Comics werden erwachsen

Ab Mitte der 1970er Jahre über die 1980/90er bis Mitte der Nullerjahre spannte sich diese „goldene Epoche“ der (gedruckten!) erotischen Comics in Europa, aber auch den USA. In dieser mehr als dreißig Jahre dauernden Zeitspanne wendeten sich viele talentierte Künstler den unzüchtigen Bildern zu und es entstand eine beachtliche Fülle an hochfeiner Comic-Erotika, die nur durch die digitale Flut in unserer heutigen Zeit übertroffen wird. Die empfindliche Maschinerie eines im Vergleich zu den Mainstream-Titeln kleinen Comic-Genres lief erstaunlich lange; doch mit dem Tod einiger Schlüsselfiguren und dem Aufkommen des Internets steuerte sie jedoch unweigerlich ihrem Ende entgegen.

Mitte der 1960er Jahre landeten erste erotisierte Comicproduktionen in den Regalen der öffentlichen Comic- und Zeitschriftenhändler. 1964 verlegte Eric Losfeld Barbarella von Jean-Claude Forest. Eine für heutige Verhältnisse vergleichsweise harmlose sexualisierte Geschichte, aber damals ein erster wichtiger Schritt. In den 1970er Jahren legte George Pichard noch ein paar Schippen drauf und lotete die Tabugrenzen immer weiter aus. Mit dem Band Marie-Gabrielle de Saint-Eutrope setzte er einen wichtigen Paukenschlag. Ein von Verleger Glénat aufwendig produzierter Erstband in Leinen und Goldprägung war zur damaligen Zeit eine kleine Sensation, sollte jedoch den vermeintlichen literarischen Stellenwert dieses Werkes verdeutlichen.

"Was die 120 Tage von Sodom von Marquis de Sade für die Literatur war, ist Marie-Gabrielle de Saint-Eutrope für die erotischen Comic".

Pichard kombinierte explizite sexuelle Darstellungen – die gehörigen Wirbel verursachten wegen der erniedrigenden Darstellung von Frauen – mit politischen oder gesellschaftlichen Aussagen. Sein Kollege Guido Crepax war weitaus subtiler und gilt bis heute als der wohl intellektuellste Erotik-Comic-Künstler. Die französische Erstausgabe der Geschichte der O von 1975 ist bis heute die teuerste und aufwendigste Veröffentlichung erotischer Comicliteratur. Seine bekannteste Figur ist sicherlich Valentina, die mit kühlem Blick, schwarzen Lippen und dunklem Pagenschnitt der Schauspielerin Louise Brooks frappierend ähnlich sah.

Trotz aller behördlichen und kirchlichen Anfeindungen, Verfolgungen und Beschlagnahmungen musste sich der erotische Comic in dieser Zeit selbst emanzipieren und seine Grenzen ausloten. Das bei der ein oder anderen Produktion klischeehaftes, frauenfeindliches und auch abstoßendes gezeigt wurde war so gesehen unvermeidbar.

 

BDAdult, Fumetti neri und el tebeo

In Frankreich beherrschten Jean Carton und seine weitverzweigten und ständig „umetikettierten“ Verlage die Erotik-Comic-Branche. Ermittelten die Behörden bei einer Firma von Carton, schloss dieser kurzerhand selbige und verlegte das Material unter neuer Flagge weiter. Anfänglich war Carton Verleger für Schmuddel-Romane und Sexfotohefte bis er Ende der 1970er Jahre das Potenzial der erotischen/pornografischen Comics - als geldbringendes Geschäft, wohlgemerkt - erkannte. Dabei ging er mit den Comicseiten durchaus auch recht rüde um. So ließ Carton Seiten oftmals umbauen oder Texte einfach umschreiben, ohne dass die Zeichner Einfluss nehmen konnten.

Eines seiner bekanntesten Magazine neben Bédé X oder Bédé X SM war Bédéadult. Das zwischen 1979 und 2005 laufende Monatsmagazin beherbergte im Laufe seiner Existenz die Crème de la Crème der bis heute „in der Szene“ so klangvollen Namen wie Alain Frétet, Arcor (alias Angelo Di Marco), Erich von Götha, Ferocius (alias Fred Harrison), Foxer (alias Loic Croizier), G. Lévis, Georges Pichard, Jacobson (alias Jacques Lemonnier), Hugdebert (alias Guillaume Berteloot), der leider viel zu früh verstorbene Jack-Henry Hooper (alias Jacques Géron) unter anderem bekannt durch seine Madame-Serie, Alan Davis (alias Jean Pailler), Mancini und Colber (alias Robert Hugues), welcher sich vor ein paar Jahren mit zwei "neuen" Alben in Frankreich aus dem Altenteil zurückgemeldet hat, Riverstone bzw. Peter (alias Bernard Kamenoff), oder der unermüdliche und fleißig produzierende Chris (alias Xavier Musquera).

Etliches Material aus den Magazinen wurde später in Alben gesammelt wieder veröffentlicht. Diese Ausgaben fanden zudem in diversen Übersetzungen Abnehmer in ganz Europa.

In Italien regierten die fumetti neri. Eine dunklere, sexistischere, gewaltvollere Variation der üblichen italienischen Comics. Nach den erfolgreichen Wegbereitern aus den 1960er Jahren mit Titeln wie Diabolik, Mister-X oder Satanik stürmten in den 1970ern unzählige Titel den Markt. Lucifera, Terror, Zora, Yra (eine Vampirella ähnliche Figur), Lucifera, Biancaneve und andere schafften es unter anderem auch nach Frankreich, wo sie von Elvifrance herausgegeben wurden.

Viele der Titel waren inhaltlich von eher zweifelhafter Qualität . Die Geschichten waren meist naiv und seicht, voller Klischees und naturgemäß mit Gewalt, Horror und Erotik versetzt. Neben dem einflussreichsten Zeichner dieser Zeit, Roberto Raviola – alias Magnus –, fällt schnell auch ein zweiter bekannter Name: Leone Frollo. Frollo löste sich in den 1980er Jahren von dem gleichförmigen Korsett der fumetti und zelebrierte selbstbewusste Weiblichkeit wie in seinen bekannten Serien Mona Street oder Casino. Er ist „Le dessinateur qui aime les femmes“ (Der Künstler, der die Frauen liebt).

Zu erwähnen wäre noch das spanische "Mutter-Magazin" Kiss Comix aus dem Hause Ediciones La Cúpula, das trotz illegal gescannter Comicseiten aus dem Internet von 1991 bis 2011 Heimat für gute pornografische Comics bot und verlässlicher Auftraggeber für neuere Künstler war. Die französischen Ableger La poudre aux rêves sowie die englischsprachige Variation French Kiss konnten sich nicht sehr lange auf dem Markt halten, was wohl auch daran gelegen haben mag, dass fast ausschließlich das spanische Material verwendet werden musste.

 

Weiter gehts im Teil 2

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