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Black Kiss

Die zwölfteilige Heftserie Black Kiss wurde in den USA zwischen 1988 und 1989 von Vortex Comics veröffentlicht. Die Anzahl der Comicseiten, abzüglich der Werbeseiten, usw... reduziert sich auf spärliche zehn Seiten pro Heftausgabe; sodass erst die späteren Sammelbände (wie zum Beispiel Thick Black Kiss von Vortex Comics, herausgebracht im Jahr 1993, Big Black Kiss bei Eros Comics, 2002 oder aktueller bei Dynamite Entertainment, 2010) im Grunde das bessere Preis/Leistungsverhältnis bieten. Doch bereits die ursprüngliche Heftreihe verkaufte sich recht ordentlich. Noch im Jahr 1989 veröffentlichte Vortex drei "Big Black Kiss" Sammelausgaben, die jeweils vier Heft zusammenfasste.
Der Comic erschien unter anderem auch in deutscher, spanischer, portugiesischer und französischer Übersetzung.

Black Kiss wurde bei seiner Erstveröffentlichung äußerst kontrovers in den USA aufgenommen. Natürlich gab es Ende der 1980er Jahre schon explizite Comic-Veröffentlichungen. Doch der Erotik-Thriller von Autor und Zeichner Howard Chaykin erregte die Gemüter auf einem vermeintlich "sauberen" Comicplatz. Black Kiss erschien nicht bei reinen Porno-/Erotik-Labels, sondern beim kanadischen Independent-Verlag Vortex Comics, die zwischen 1984 und 1994 für ihre alternativen Comic-Veröffentlichungen bekannt wurden; wie zum Beispiel Ted McKeever's "Transit", Chester Brown's Mini-Serie "Yummy Fur" oder Matt Howarth´s "Savage Henry".

Vortex wollte zunächst die Serie gar nicht veröffentlichen und schweißte die Heftausgaben in jugendschützende Plastikhüllen mit schwarzen Abdeckungen; was dem Erfolg der Serie keinen Abbruch tat, sondern im Gegenteil das Interesse noch verstärkte.

Laut Aussage Chaykins - dabei ein leichtes Lächeln auf den Lippen - war nach seiner Einschätzung "Black Kiss" seine profitabelste Serie (Gewinn pro Seite).

"Die Serie erschien in einer Zeit, als Amerika darüber nachdachte, ein System zur Altersfreigabe für Comics einzuführen, und die Idee war, einen Comic zu machen der erschreckend, anstößig und witzig zugleich sein würde" (1)

"Black Kiss" erzählt die Geschichte von Cass Pollack, einen in Los Angeles lebenden Jazz Musiker - und vermeintlichen Mörder seiner Frau und seines Kindes - der auf der Flucht vor dem Gesetz und der Mafia seine Chance darin sucht, im Austausch für ein Alibi, der transsexuellen Hure Dagmar Laine und ihrer Geliebten, dem alternden Hollywoodstarlet Beverly Grove, eine ominöse pornografische Filmdose zu beschaffen. In dem Schmuddelfilm, aus dem Archiv des Vatikan stammend, ist Beverly Grove zusammen mit Stummfilmlegende Charles Kenton zu sehen. Eine Glaubensgemeinschaft, die dem Stummfilmstar huldigt, ist ebenfalls hinter dem Zelluloidstreifen her. Doch die Geschichte bekommt einen interessanten Twist, als sich herausstellt, das Kenton - und nicht nur er allein - im Grunde ein (seit Jahrhunderten wandelnder) Vampir ist; was der erwähnte Film beweisen könnte.

Inmitten der Kämpfe, zwischen den verschiedenen Fraktionen, steht der im Grunde unschuldige Pollack und muss um sein Leben fürchten.

Im Protagonist Pollack fand Chaykin genau die passende Figur um einen erwachsenen "Black Noir"-Comic aus Pulp, Krimi, Horror und Sex zu entwickeln. Einen Charakter, der ohne sein zutun in eine weitaus größere Geschichte als seine eigene hineinschlittert und versucht mit heiler Haut aus der Sache wieder herauszukommen; ganz in der Tradition eines Alfred Hitchcock Plots.

Howard Chaykins Zeichenstil orientiert sich optisch und stilistisch an den Arbeiten von Comicgrößen wie Gil Kane oder Neal Adams. So auch in seinen "Black Kiss"-Arbeiten. Die Panels sind in einem sehr rauen, flüchtig wirkenden, skizzenhaften Stil gehalten, akzentuiert mit schwungvollen Pinselstrichen.

"Black Kiss" besticht weniger durch explizite Sexeinlagen. Diese sind meist nur angedeutet - sprich "Softcore" - und bis auf wenige Ausnahmen pornografisch. Die erotischen Szenen dominieren nicht die Handlung, sind aber ein entscheidender Bestandteil der Geschichte.

Im Jahr 2012 erschien "Black Kiss 2"; das aber keine direkte Fortsetzung im eigentlichen Sinne darstellt.

Zur Person: Howard Chaykin wurde am 7. Oktober 1950 geboren. In den 1970er Jahren arbeitete Chaykin bereits für Verlage wie DC, beziehungsweise bei Marvel als Assistent für die bereits erwähnten Gil Kane und Neal Adams. Erwähnenswert ist seine Arbeit (1977-1978) für die Comicadaptionen der klassischen Star Wars Filme, zusammen mit Roy Thomas. Bereits zuvor - im Jahr 1975 - kreierte er für Marvel die Figur "Dominic Fortune", die ihren ersten Auftritt in Marvel Preview #2 hatte. Als Vorlage diente der ähnliche Charakter "Scorpion", den Chaykin zuvor für Atlas/Seaboard Comics entwickelte. Bereits in den Werken für die Topverlage lotete Chaykin gerne die "Zeigbarkeit" von erwachsenen Themen in Comics aus; meist jedoch gezügelt durch die Verleger und dem Comic Code.

Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre arbeitete Chaykin viel für das Magazin Heavy Metal und entwickelte 1983 für First Comics die bekannte Heftserie American Flagg!; wieder mit einem typischen, klassischen Gentlemen-Helden, an dessen Seite immer eine wunderschöne und elegante Dame steht.

In den 1990er Jahren kehrte Chaykin zu DC zurück und arbeitete dort als Autor, unter anderem an Titeln wie "Twilight", "Cyberella" und einigen "Elseworld"-Geschichten. In seinen Bibliografiedaten stehen nach der Jahrhundertwende Arbeiten als Autor und/oder Zeichner für Serientitel wie "Guy Gardner", "Hawkgirl", "JSA: All-Stars",… (DC) oder "Blade", "Iron Fist", "New Avengers",... (Marvel).

Kommentar: "Black Kiss ist kein schöner, anregender Comic, jedoch ein schonungsloser, erwachsener Comic. Der Zeichenstil mag vielleicht nicht jedermanns Geschmack sein - doch "Black Kiss" fällt auf und bleibt im Gedächtnis. Durch seine adäquate raue Schwarz-weiß-Optik, der hervorragenden Choreografie der einzelnen Szenen und nicht zuletzt einer Geschichte, die so wuchtig, kalt und hart herüberkommt, das es dem Leser schon mal den Atem verschlagen kann. "Black Noir trifft auf No country for old Men" - mit einem rotzigen "Fuck U" gegen etablierte Comic-Codes und den biederen Comic-Lesegewohnheiten seiner Zeit." (2)

Chaykin legt sich in "Black Kiss" mit vielen Tabus an und verarbeitet sie ohne Scheuklappen. Die Geschichte beschäftigt sich mit so heiklen Themen wie Transsexualität, Gruppensex, Inzest, Nekrophilie, Pädophile und Kultismus.
Seine Charaktere wirken stark und entschlossen in ihren Handlungen - jedoch dem nostalgischen Kriminal-Genre verpflichtend pointiert überzeichnet. Die Männer meist muskulös und unerschrocken, die Frauen kurvenreich sexy und gerissen.

Links:
- Englische Wikipediaseite über Howard
- Englische Wikipediaseite über Black Kiss
- Englisches Interview mit Howard Chaykin auf fanboyplanet
- Youtube-Film-Interview
- Über das Projekt Black Kiss 2

Quellen:
(1) comicbookresources.com
(2) gaijinjoe

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