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Al Azif

 

Die Entwicklung des Künstlers Agustin Alessio in seinen Anfängen zu verfolgen ist eine durchaus spannende Angelegenheit. Sie lässt sich anhand des spanischen Kiss Comix Magazin - für das Alessio aka Al Azif einige Jahre zeichnete - gut dokumentieren. Wobei man gerechterweise sagen muss, dass seine ersten Comic-Serien bewusst etwas skizzenhafter angelegt wurden und Alessio im Laufe seiner Karriere einige Variationen seines Zeichenstils ausgebildet hat.

Seine erfolgreichen Kurzgeschichten waren recht bald auch in den französischen und englischen Ablegern des spanischen Mutter-Magazins zu sehen. In Italien übernahm das Magazin X Comics einige Seiten.

 

Den Anfang machte die vierzehnteilige Reihe Conectadas die sich um zwei Schwestern dreht, die - als siamesische Zwillinge geboren - an ihren Kitzlern (!) zusammengewachsen waren. Trotz einer chirurgischen Trennung stehen sie weiterhin in psychischen und physischen Kontakt zueinander. Das hat zur Folge, wenn eine Schwester sexuelle Kontakte pflegt, bekommt die andere Schwester dies ortsunabhängig durch ihre Klitoris "übermittelt". Daraus ergeben sich - wie man(n) sich vorstellen kann - durchaus witzige Situationen. Der versierte Autor Diego Agrimbau achtete zudem darauf, dass ungeachtet dieses bizarren Aufhängers nicht vordergründige oder sexistische Herrenwitz-Klischees bedient wurden.

Die Zeichnungen bei "Conectadas" sind geprägt durch ihr recht raues und skizzenhaftes Erscheinungsbild, ohne feinere Ausarbeitung der Charaktere, aber durchaus mit humoristischen beziehungsweise karikaturistischen Stilelementen.

 

Einen Deut präziser - doch weiterhin skizzenhaft - wurden die Zeichnungen bei der Nachfolge-Reihe Las Desvirgadoras. Hier arbeitete Al Azif bereits mit monochromen Rasterflächen und seine Linienführung wurde auch etwas feiner. Inhaltlich geht´s in "Las Desvirgadoras" um die amourösen Erlebnisse von drei abenteuerlustigen jungen Frauen.

 

Waren bis dahin die Comics noch in schwarz-weiß angelegt, kommt ab Vampiras blancas mittels Computer-Kolorierung endlich Farbe ins Spiel. Dabei vollzogen Al Azifs Zeichnungen auch einen deutlichen künstlerischen Wandel. Die Figuren wurden genauer und verloren ihre grobe skizzenhafte Struktur - ohne dabei ihren lebendigen karikierenden Charme einzubüßen. Man könnte die Arbeiten am ehesten mit den Frühwerken von Ignacio Noé vergleichen - vor allem wenn man die karikaturesken Gesichter einiger Charaktere von "Vampiras blancas" betrachtet.

 

In der letzten vierteiligen Reihe für Kiss Comix Poser hat Alessio erneut seinen Stil "geändert", beziehungsweise weiter verfeinert. Die Charaktere sind nun wesentlich genauer, eleganter und sauberer gezeichnet. Die "cartoonhaften" Elemente wichen einem eher "realistischen Look".

Zwar setzte Alessio weiterhin seine Tuschelinien recht sparsam, doch mit einer ausführlichen Nachbearbeitung am Computer wurden die Zeichnungen mittels (Farb-/)Grauflächen deutlich aufgewertet und verleihen den einzelnen Bildern damit mehr Ausdruck und Tiefe.

 

Diesen "Poser"-Zeichenstil hat Alessio auch bei seine Coverbilder für das spanische Eros Comix Magazin beibehalten. In einer ganzen Cover-Serie zeigt er erotisch-pikante Versionen von Superheldinnen aus den DC- und Marvel-Universen. Für das Eros Comix Magazin wurde Alessio von keinem geringeren als Horacio Altuna empfohlen.

 

Die Beiträge von Alessio aka Al Azif für Kiss Comix betreute Autor Diego Agrimbau - unter dem Pseudonym Morr. Agrimbau wurde 1975 geboren und schreibt seit Anfang der 2000er Jahre für diverse Verlage, in so unterschiedlichen Genres wie Erotik, Science Fiction oder Kinder-Cartoons.

Zu seinen Arbeiten für Kiss Comix: "Pornogeschichten sind eine Kunst für sich. Du musst dazu Regel beachten. Neben einer bestimmten Anzahl an Sexseiten, muss die Geschichte drumherum irgendwie interessant für den Leser sein. Die Herausforderung besteht, die Geschichte auch während den Sex-Szenen zu erzählen und nicht nur vor oder nach dem Sex. Gelingt das nicht, wird die Sache richtig albern. ... Bei all der Fülle an Bildern und Filmen im Internet muss sich der erotische Comic auf seine Stärken verlassen: auf die Zeichnungen, die Geschichte und die Fantasie. Ich denke, es gibt bei den erotischen Comics noch eine Menge zu entdecken..." (Sehr frei übersetzt. Anm. d. Red.) (1)

Agrimbau schrieb zwischen den Jahren 2003 bis 2009 für Kiss Comix unter mehreren Pseudonymen. So entstand unter anderem für Julián Totino Tedesco die Reihe Chicas Malas und für Baldó Don Dildo.

 

Mit seinem eingängigen Zeichenstil war Agustin Alessio auch schnell eine Empfehlung für große Comic-Verlage. Bekannt wurde er unter anderem durch seinen Arbeiten an den Serien Star Wars und "Doctor Solar" für den amerikanischen Dark Horse Comic Verlag.

 

Zusammen mit Juan Gómez entstand 2006 das Album Martillo de Herejes das vom spanischen Bürgerkrieg handelt und in Spanien bei Dolmen Éditorial erschien.

 

Veröffentlichungen (Auswahl):

- Star Wars: Darth Vader and the Ghost prison (Dark Horse)

- Doctor Solar: Man of the Atom (Dark Horse)

- Martillo de Herejes (2006, Dolmen Editorial) mit Autor: Juan Gómez

 

Veröffentlichungen in Kiss Comix (Spanien) (27 Beiträge):

- Conectadas 1-14 (KC #144, 147, 151, 155, 156, 157, 159-163, 165-167)

- Las Desvirgadoras 1-7 (KC #169-173, 175, 176)

- Vampiras blancas 1-2 (KC #185, 189)

- Poser 1-4 (KC #218, 222, 225, 232)

 

Links Diego Agrimbau:

- Blog Diego Agrimbau

- Interview mit Diego Agrimbau

 

Weitere Links:

- Eintrag Comicbook Database

 

Quellen:

(1) www.tintadehistorieta.com.ar

- altercomicsalessio.blogspot.de

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